Prozess

Wer bekommt Sorayas Millionen?

30 Möchtegern-Erben streiten sich vor Gericht um den Nachlass

Wenn heute Vormittag vor dem Landgericht Köln der Berufungsprozess um das Erbe der persischen Ex-Kaiserin Soraya beginnt, werden sich in Saal 225 Menschen aus aller Herren Länder einfinden. Da wird Sorayas in Kalifornien lebende Cousin dritten Grades samt Rechtsbeistand genauso erwartet wie andere entfernte Verwandte, die aus Teheran einfliegen. Auch Jean Hassan Firouzfar, die Schlüsselfigur in diesem Fall, dürfte da sein.

Insgesamt treffen sich am ersten Tag des nicht öffentlichen Prozesses rund 30 Möchtegern-Erben, einige mit ihren Rechtsanwälten, andere lassen sich von eben jenen vertreten. Dazu kommen Sachverständige, die von ihren in den vergangenen Jahren erstellten Gutachten berichten werden. Es ist der Startschuss der nächsten Runde im bizarren Ringen um das große Vermögen Sorayas, und es käme einem Wunder gleich, wenn es die letzte Runde wäre.

Soraya Esfandiary Bakhtiary war jahrzehntelang der Liebling des Boulevards, gefeiert als „die schönste Frau ihrer Zeit“, bemitleidet als „die Kaiserin mit den traurigen Augen“. Aufgewachsen in Berlin als Tochter des früheren persischen Botschafters, lernte sie im Alter von 18 Jahren Schah Mohammad Reza Pahlavi, den persischen Herrscher, kennen. Sie wurde seine zweite Ehefrau und zog auf den kaiserlichen Hof nach Teheran. Nach sieben kinderlosen Jahren wurde Soraya von Pahlavi verstoßen. Die Ehe wurde geschieden, der Kaiser vermachte Soraya als eine Art Abfindung viele Millionen und Immobilien.

Am 25. Oktober 2001 starb Soraya im Alter von 69 Jahren einsam in ihrer Pariser Wohnung, die offizielle Todesursache lautete Herzversagen. Sie wurde in dem Familiengrab auf dem Münchner Westfriedhof beerdigt. Ihr Vermögen vermachte sie Hilfsorganisationen und ihrem Bruder Bijan, der in Köln lebte – und nur eine Woche nach ihr starb.

Seitdem geht es ums Geld, die Frage lautet: Wer wird Millionär? Wenn es nach Jean Hassan Firouzfar geht, dann steht es ihm zu. Nach dem Tod von Bijan Esfandiary Bakhtiary präsentierte Firouzfar, Bijans ehemaliger Privatsekretär und Chauffeur, einen Zettel, fünf mal fünf Zentimeter groß. Unter dem Titel „Bijans Wille“ steht da: „Mr. Hassan Firouzfar – Der Retter No. one and my only Friend nenne ich als mein allein Erber.“ Die Unterschrift, das wurde mittlerweile bewiesen, ist tatsächlich echt. Das Problem sind die Umstände. Firouzfar gibt an, um 23.15 Uhr habe Bijan den Zettel geschrieben, also eine Viertelstunde bevor sein Chef starb. War Sorayas Bruder zu diesem Zeitpunkt noch „testierfähig“?

Um welchen Betrag es geht, das weiß keiner so genau. Zwischen 20 und 50 Millionen Euro sollen es sein, dazu kommen Immobilien. 2012 wurde bei Christie’s Schmuck der Ex-Kaiserin versteigert. Knapp 100.000 Euro erbrachte ein Diamantring zusammen. Ein Klacks im Vergleich zu Sorayas Gesamtvermögen.