Anschlag

Los Angeles sucht nach dem Motiv

Der Flughafen-Schütze tötete einen Behördenmitarbeiter und verletzte sieben Menschen

Nach der tödlichen Schießerei am internationalen Flughafen von Los Angeles rätseln die Ermittler über das Motiv des Mannes. Der Täter wurde nach FBI-Angaben als der 23-jährige Paul Anthony Ciancia identifiziert. Er tötete einen Sicherheitsbeamten und verletzte sieben weitere Menschen. Nachdem er einen Kontrollpunkt überwunden hatte, erwiderte die Polizei das Feuer, traf Ciancia mit drei Kugeln in die Brust und nahm ihn verletzt fest.

Zum Motiv des aus dem nordöstlichen Bundesstaat New Jersey stammenden und in Los Angeles lebenden Täters hieß es, ein extremistischer Hintergrund werde weder vermutet noch ausgeschlossen. Laut einem Bericht der „Washington Post“ teilte Ciancia seinem jüngeren Bruder mit, dass er sich etwas antun wolle. Sein Vater habe daraufhin die Polizei eingeschaltet.

Der US-Fernsehsender NBC berichtete, der Schütze habe Verbindungen zur Behörde für Transportsicherheit (TSA) gehabt, für die auch der getötete Sicherheitsbeamte arbeitete. Ciancia habe aus Verärgerung über die Behörde gezielt auf deren Mitarbeiter geschossen. Die „Los Angeles Times“ berichtete, der 23-Jährige habe auf seinem Weg durch den Flughafen Menschen gefragt, ob sie der TSA angehörten. Wenn sie dies verneint hätten, sei er weitergelaufen. Die Polizei fand antistaatliche Propaganda („Gegen TSA-Beamte und andere Schweine“) bei ihm. Ciancia schoss im Abflugbereich mit einem Sturmgewehr unter anderem auf den 39-jährigen TSA-Mitarbeiter, der später im Krankenhaus seinen Verletzungen erlag.

Die TSA-Teams sehen zwar ähnlich aus wie FBI-Beamte, doch sie sind vergleichsweise gering bezahlt. Zwischen 22.000 und 36.000 Dollar, ohne Zulagen, verdienen die Leute im Jahr, weit unter dem US-Durchschnitt. Wenig Geld für die Ehre, den Amerikanern ihre Sicherheit im Flugzeug zu garantieren. Im November 2001 wurde die Behörde als Unterabteilung des neuen Ministeriums für Heimatschutz gegründet. Rund 47.000 Mitarbeiter tun an Amerikas Flughäfen Dienst. Nun sind sie Helden für ein paar Tage. Wie es die „good guys“ immer sind, wenn in Amerika geschossen wird.

Der Bürgermeister der Millionenstadt, Eric Garcetti, sagte, der Mann habe bei seiner Festnahme noch mehr als hundert Patronen gehabt. Damit hätten „buchstäblich alle Menschen in dem Terminal getötet“ werden können. Ohne die Flughafenpolizei hätte der Schaden weit größer sein können. Der Bürgermeister kündigte an, dass zu Ehren des getöteten TSA-Mitarbeiters die Fahnen an öffentlichen Gebäuden auf halbmast gesetzt würden.

Der Chef der Flughafenpolizei, Patrick Gannon, sagte, vermutlich handele es sich um einen Einzeltäter. Zuvor hatte der Lokalsender CBS2 berichtet, dass ein zweiter Verdächtiger festgenommen worden sei. Gannon lobte sich und seine Leute, vor drei Wochen habe man genau solch einen Ernstfall geübt: eine „lone wolf attack“. Man habe alles richtig gemacht, sagte er.

Sicher scheint durch die Fotos, dass die Tatwaffe, ein Sturmgewehr, in Kalifornien nicht zu kaufen ist. Der Staat hat eines der strengsten Waffengesetze in den USA.

In der TSA-Geschichte war es das erste Mal, dass ein Mitarbeiter im Dienst getötet wurde. US-Präsident Barack Obama kondolierte und zeigte sich „besorgt“.

Auf Fernsehbildern war zu sehen, wie Polizisten das Flughafengelände durchkämmten und Krankenwagen vorfuhren. Hunderte Reisende wurden in Sicherheit gebracht. „Ich habe einen Knall gehört, und alle sind auf den Boden gehechtet“, sagte ein Augenzeuge dem Fernsehsender CNN. Ein anderer Reisender sagte der „Los Angeles Times“, er habe sich durch einen Notausgang auf das Rollfeld gerettet, als er die Schüsse gehört habe.

Nach den Schüssen wurde der Flugverkehr zunächst komplett eingestellt, etwa eine Stunde später landeten aber schon wieder Passagiermaschinen. Flugreisende mussten allerdings mit massiven Verspätungen rechnen. Das Chaos nach den Schüssen pflanzte sich in Schockwellen erst im Flughafen, dann im ganzen Land fort, als mehr als 700 Flüge gestrichen oder umgeleitet wurden. LAX operierte in halbem Tempo. Mehr als 76.000 Passagiere, die den Flughafen nicht verlassen durften, bevor sie nicht identifiziert waren, saßen fest.

Der Flughafen von Los Angeles ist mit mehr als 60 Millionen Passagieren jährlich einer der größten der Welt. Im Jahr 2002 hatte dort ein aus Ägypten stammender Mann auf einen Schalter der israelischen Fluglinie El Al geschossen, zwei Menschen getötet und mehrere weitere verletzt, bevor er selbst erschossen wurde.