Unwetter

Mit voller Wucht

Orkan „Christian“ wütet mit Sturmböen von bis zu 172 Stundenkilometern. Mindestens 16 Tote

Orkantief „Christian“ hat in Norddeutschland und Nordeuropa eine Schneise der Verwüstung geschlagen und Schäden in Millionenhöhe angerichtet. Massenhaft wurden Bäume umgeknickt, Dächer abgedeckt und Autos eingedrückt. Mindestens 16 Menschen starben europaweit bei den Unwettern mit einer Geschwindigkeit von bis zu 172Stundenkilometern. Von der Stärke her sei „Christian“ vergleichbar mit den Orkanen „Lothar“ (Dezember 1999) und „Kyrill“ (Januar 2007), teilte der Deutsche Wetterdienst mit.

Nach Angaben der Polizei kamen in Deutschland fünf Menschen durch „Christian“ ums Leben. Ein großer Teil der Zugverbindungen im Norden war auch am Dienstag erheblich gestört. Die Strecke Hamburg–Berlin war bereits am Montagabend wieder frei. Zwischen Paulinenaue und Friesack (Havelland) war ein Baum auf die Oberleitung gestürzt. Gestrandete Fahrgäste konnten in der Nacht zum Dienstag in Berlin in zwei ICE-Zügen übernachten, die die Bahn bereitstellte. Der Berliner Flugverkehr war von dem Orkan kaum betroffen. Am Montag mussten vier Starts ab Tegel abgesagt werden, weil das Wetter an den Zielorten zu stürmisch war.

Die Schäden an Gebäuden in der Region hielten sich in Grenzen. Die Berliner Feuerwehr registrierte am Montagabend binnen dreier Stunden 33 Sturmeinsätze. Meist handelte es sich um abgebrochene Äste oder umgestürzte Absperrungen am Bau. Auch in Brandenburg waren die Schäden nach einer ersten Bilanz der Polizei in Potsdam eher gering. Verletzt wurde in Berlin und Brandenburg niemand.

Besonders schwer wütete Orkan „Christian“ in Schleswig-Holstein. Die stärkste Bö im Flachland sei mit 172 Kilometern pro Stunde in St. Peter-Ording gemessen worden. Allein dort mussten Polizei und Feuerwehr zu fast 3600 Einsätzen ausrücken. „Für unsere Leitstellen war die Zählung elektronisch nicht mehr zu bewältigen“, erklärte die Sprecherin des Lagezentrums.

Mehrere Tausend Mitarbeiter der Deutschen Bahn waren damit beschäftigt, beschädigte Oberleitungen zu reparieren und umgestürzte Bäume von den Gleisen zu holen. In Niedersachsen, Bremen und Nordrhein-Westfalen blieb vor allem der regionale Bahnverkehr noch erheblich eingeschränkt. In Hamburg normalisierte sich der öffentliche Nahverkehr. Glimpflich kam Mecklenburg-Vorpommern davon, da sich der Sturm hier schon abgeschwächt hatte.

In Großbritannien starben nach Angaben der Behörden vier Menschen durch den Sturm. Mehr als 60.000 Haushalte waren am Dienstag weiter ohne Strom, nach vorübergehend 600.000 am Vortag, wie die Energieversorger mitteilten. In Südengland mussten zwei Atomreaktoren heruntergefahren werden, weil am Kraftwerk Dungeness B vorübergehend die Stromversorgung wegen des Unwetters unterbrochen war.

Auch in Schweden waren noch rund 60.000 Häuser von der Energieversorgung abgekoppelt, 35.000 Menschen blieben am Dienstag weiter ohne Telefonverbindung. In einigen entlegenen Gebieten wird es nach Angaben der Behörden noch Tage dauern, bis die Stromversorgung wieder funktioniert. In Dänemark, wo zwei Menschen starben, gab es am Dienstag teilweise massive Behinderungen im Zugverkehr. Auch in den Niederlanden starben zwei Menschen durch den Sturm. Die Versicherer schätzten den Schaden im privaten Sektor auf 95 Millionen Euro. Ein weiteres Todesopfer gab es in Frankreich zu beklagen.