Entlassung

Reemtsma-Entführer Thomas Drach will Deutschland verlassen

Der Reemtsma-Entführer Thomas Drach ist nach mehr als 15 Jahren hinter Gittern wieder auf freiem Fuß und will Deutschland verlassen.

Der 53-Jährige wurde am Montagmorgen gegen 6.30 Uhr aus dem Gefängnis in Hamburg-Fuhlsbüttel entlassen, wie ein Sprecher der Hamburger Justizbehörde sagte. Er habe zuvor deutlich gemacht, dass er aus Deutschland ausreisen wolle. So bräuchte der Schwerverbrecher unter anderem keine elektronische Fußfessel tragen – eine Auflage, die von der Hamburger Justiz gegen ihn verhängt wurde, die aber nur im Inland gilt.

Allerdings sagte die Vizepräsidentin des Verbands deutscher Strafrechtsanwälte und Strafverteidiger, Martina Renz-Bünning, dass selbst wenn deutsche Behörden Drach einen Pass ausstellen würden, werde er wohl von vielen Staaten keine Einreiseerlaubnis bekommen. „Ganz Südamerika wird ihm kein Visum erteilen“, sagte sie. Auch in Nordamerika, Australien und Neuseeland sei er wahrscheinlich nicht willkommen. „Für ein Visum braucht er einen Pass. Den Pass muss er beantragen, darauf hat er keinen Rechtsanspruch.“

Drach hatte mit Komplizen den Millionen-Erben Jan-Philipp Reemtsma im Frühjahr 1996 vor dessen Haus in Hamburg-Blankenese überwältigt. Viereinhalb Wochen lang hielten sie ihn angekettet und in Todesangst in einem Verlies in der Nähe von Bremen fest. Gegen ein Lösegeld von 15 Millionen Mark und 12,5 Millionen Schweizer Franken war Reemtsma schließlich freigekommen. Es ist unklar, wie viel von dem Geld heute noch übrig ist. Über den Verbleib des Geldes schwieg sich Drach stets aus.

Drach setzte sich nach der Entführung nach Südamerika ab und führte knapp zwei Jahre lang ein luxuriöses Leben in Uruguay. Im März 1998 wurde er in Argentinien aufgespürt und festgenommen. Erst gut zwei Jahre später, im Juli 2000, wurde Drach nach Deutschland ausgeliefert und wegen erpresserischen Menschenraubes zu 14Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt.