Unglück

Wut auf Behörden nach Massenpanik vor Hindu-Tempel

Nach der neuen Massenpanik mit mindestens 115 Todesopfern vor einem Hindutempel herrscht in Indien unbändige Wut auf die Behörden.

Die Tragödie offenbare „die völlige Unfähigkeit“ des Staates, für die Sicherheit der Gläubigen zu sorgen, titelte die Zeitung „The Hindustan Times“ am Montag. Verstärkt wurde die Empörung durch Zeugenaussagen, wonach ein gewaltsamer Polizeieinsatz die Panik auf einer völlig überlasteten Brücke anheizte.

Das Drama ereignete sich am Sonntag zum Abschluss des Navaratri-Festes im Bezirk Datia im zentralen Bundesstaat Madhya Pradesh. Auf einer Brücke vor dem Tempel, die den reißenden Fluss Singh überspannt, befanden sich etwa 20.000 Menschen. Nach Polizeiangaben löste das Gerücht, die Brücke drohe einzustürzen, die Panik aus. Es seien mindestens 115 Menschen ertrunken oder erstickt, sagte ein Polizeisprecher. Mehr als 100 weitere Gläubige seien teilweise lebensbedrohlich verletzt worden.

Zeugen berichteten von verzweifelten Rettungsversuchen. „Menschen sprangen in den Fluss, konnten aber nicht gegen die Strömung anschwimmen. Ich sah, wie Kinder ins Wasser geworfen wurden, nur um fortgespült zu werden“, sagte der Überlebende Manoj Sharma der Zeitung „Times of India“. Der Obstverkäufer Man Singh sagte: „Einige machten aus den Kleidern der Leichen Stricke, um sich von der Brücke abzuseilen. Aber auch sie sind ertrunken.“

Ein weiterer Überlebender sagte dem Sender CNN-IBN, Polizisten hätten mit Schlagstöcken auf die Menge eingeschlagen. „Das hat Panik ausgelöst, Menschen wurden getötet“, sagte der anonyme Zeuge. Ein Polizeisprecher wies die Darstellung als „lächerlich“ zurück.

Massive Kritik an den Behörden kam auch aus der Politik. „Wenn es eine angemessene Präsenz von Polizei, Verwaltung und medizinischem Personal vor dem Tempel gegeben hätte, hätten Menschenleben gerettet werden können“, sagte der Chef der Kongresspartei in Madhya Pradesh, Kantilal Bhuria.