Tiere

Der Hund, der am liebsten Geldscheine frisst

Sundance bevorzugt 100-Dollar-Noten. Besitzer schaltet Finanzministerium ein

Golden Retriever sind bekannt dafür, eine sehr verfressene Hunderasse zu sein. Dass diese Charaktereigenschaft auch ziemlich teuer werden kann, hat das Ehepaar Klinkel aus den USA erfahren. Ihr bereits zwölf Jahre alter Hund Sundance hat etwas verschlungen, was sie unbedingt wieder haben wollten – nämlich ein paar 100-Dollar-Scheine.

Die Klinkels hatten ihren Hund während eines Restaurantbesuchs in der Weihnachtszeit im Auto allein zurückgelassen. Als sie nach 45 Minuten gesättigt wiederkamen, hatte auch Sundance ein bisschen genascht. Denn von den fünf 100-Dollar-Noten, die sie im Auto in einem kleinen Fach gelassen hatten, waren vier verschwunden. Ein weiterer 100-Dollar-Schein lag angenagt zwischen den Pfoten ihres Hundes.

Natürlich hatte sich Sundance nur die wertvollsten Scheine aus dem Fach ausgesucht, berichtet die Zeitung „Independent Record“, bei der Wayne Klinkel als Grafikdesigner arbeitet und der er seine Geschichte vom gefräßigen Haustier erzählte: So blieb daneben ein Ein-Dollar-Schein völlig unangerührt.

Warten auf das Frühjahr

Die Klinkels kannten ihr Haustier gut genug, um zu wissen, was passiert war: Sundance, der von seinen Besitzern aus einem Tierheim geholt worden war, war schon vor dem Vorfall bekannt dafür, alles aufzufressen, was ihm vor die Schnauze geriet. Und nun? Wie sollte man den 500-Dollar-Snack zurückbekommen? Wayne Klinkel wusste, dass Papier schwer verdaulich ist, und folgte fortan seinem Hund auf dessen Ausgängen auf Schritt und Tritt. Mit Gummihandschuhen ausgestattet, sammelte er wochenlang Hundehäufchen auf und untersuchte sie genau. Auch seine Tochter Amy half beim Aufsammeln mit. Insgesamt dauerte es drei Monate, bis die Familie alles zusammenhatte. Im Frühjahr war es dann Zeit für den nächsten Schritt: Wayne Klinkel wusch die Geldscheinstückchen und ließ sie eine Woche lang trocknen. Dann fügte er die Teile zusammen und klebte sie sorgfältig aneinander. „Es war ein bisschen wie ein Puzzle zusammenlegen“, sagte er. Klinkel legte die fünf wiederhergestellten Scheine einzeln in je einen Plastikumschlag und schickte sie an das Finanzministerium, in der Hoffnung auf Rückerstattung seines Geldes. Auch wenn er sicher nicht der Erste wäre, der mit der Ausrede „Hilfe, mein Hund hat mein Geld verspeist“ auf Ersatz hoffte.

Fünf Monate später kam per Post nun tatsächlich ein Umschlag von dem Ministerium zurück. Darin, ohne beigefügte Nachricht, ein Scheck über 500 Dollar. Eingelöst haben ihn die Klinkels schon am nächsten Tag bei der Bank – sicher ist sicher. Zu lange wollten sie ihn jedenfalls nicht in der Reichweite des Golden Retrievers lassen.

In Deutschland werden zerschlissene Geldscheine in Banken umgetauscht. Ausnahmen gibt es, wenn die Beschädigung mutwillig erfolgt ist. Selbst wenn Hunde Geldscheine angekaut haben, sind die Institute in der Regel aber kulant. Völlig zerstörte oder angebrannte Geldscheine können bei der Bundesbank zurückgegeben werden. Dort werden sie – streng überwacht – komplett vernichtet und getauscht. Aus den schmalen Schnipseln werden Pellets mit 6,5 Zentimeter Durchmesser gepresst. Diese können leichter transportiert und verbrannt werden. Münzen werden platt gewalzt. Danach kommen sie zum Schrotthändler zur Wiederverwertung.