Interview

„Hier und da überdreht“

ZDF-Unterhaltungschef Oliver Fuchs über die Fehler bei „Wetten, dass..?“, die erneute Reform der Sendung und Moderator Markus Lanz

Am Sonnabend um 20.15 Uhr versucht es Markus Lanz noch einmal mit dem Klassiker „Wetten, dass..?“. Komplett umgekrempelt sollte er nach dem Quotendesaster der Mallorca-Sendung und nach der Kritik am Moderator werden. ZDF-Unterhaltungschef Oliver Fuchs, den der Sender vor gut einem Jahr für eine Programmverjüngung in der Schweiz eingekauft hatte, spricht mit Antje Hildebrandt über den Spagat zwischen Traditionspflege und Erneuerung.

Berliner Morgenpost:

Herr Fuchs, die erste „Wetten, dass..?“-Ausgabe nach der Sommerpause punktet mit A-Prominenz. Was hat Rambo alias Sylvester Stallone, was Markus Lanz nicht hat?

Oliver Fuchs:

Das ist mal eine interessante Frage. Er hat mehr Muskeln – und er spricht besser Englisch.

Nach dem Flop mit der Mallorca-Ausgabe fokussierte sich die Kritik sehr auf die Person Lanz. Teilen Sie diese Kritik?

Als Aushängeschild einer Sendung muss der Moderator alles einstecken. Ich finde das unfair ihm gegenüber.

Vor Ihrem Start beim ZDF haben Sie als Geschäftsführer von Eyeworks erfolgreiche Formate fürs Privatfernsehen wie „Schwiegertochter gesucht“ verantwortet. Woher wissen Sie, wie der „Wetten, dass..?“-Zuschauer tickt?

Mit Eyeworks haben wir Formate wie den „IQ-Test“ kreiert, die alle abgeholt haben, Ältere und Jüngere. Insofern unterscheidet sich das gar nicht so groß.

Welchen Bezug haben Sie als Schweizer zu „Wetten, dass..?“?

Ich kenne das Format aus meiner Jugend. „Wetten, dass..?“ lief damals auch in der Schweiz. Ich erinnere mich noch sehr gut an die Wette mit dem Lkw auf Biergläsern. Schwere Maschinen werden Sie auch in den nächsten Ausgaben sehen. Die sind quasi unser Publikumsjoker.

Die Wetten blieben von der letzten Reform verschont. Das ZDF hat das Format drum herum verjüngt. Warum hat das nicht funktioniert?

An den Rändern wurde ein bisschen zu viel gefeilt. Nehmen Sie die rotierende Couch. Die Gefahr war immer, dass man die Couch irgendwo hin dreht, wo die Ansprache zum Publikum nicht funktionierte. Wir werden das jetzt vorsichtiger einsetzen ...

... weil die ZDF-Zuschauer diese Annäherung ans Privatfernsehen nicht angenommen haben?

Es ist schwer, das zu pauschalisieren. Aber es ist in der Tat so, dass hier und da eine Stellschraube überdreht wurde. Wir haben die Wetten, den Kern der Marke, aus den Augen verloren.

Was wird jetzt anders?

Ich glaube an den Formatkern. Was Frank Elstner vor 32 Jahren entwickelt hat, war richtig und gut. Es lief ja auch schon in China, und derzeit verhandeln wir in Amerika mit neuen Partnern. Den Kern können Sie nicht verändern. Sie können nur ein bisschen an den Stellschrauben drehen.

Das heißt zum Beispiel: Weg mit Cindy?

Die war nur als Gag gedacht. Eine Assistentin, die nicht dem klassischen Bild entspricht. Am Anfang hat das auch gut funktioniert. Aber Cindy polarisiert. Es besteht die Gefahr, dass sie nicht alle Zuschauer mitnimmt.

Und warum fällt die Lanz-Challenge weg?

Da tut mir Markus schon fast leid. Der Kerl ist verdammt sportlich. Und er sieht gut aus. Die Lanz-Challenges hat er fast ausnahmslos gewonnen. Da kommt fast Neid auf.

Und was wird sonst noch neu?

Wir werden die Couch ein bisschen wärmer machen, wir werden die Farbigkeit ein bisschen ändern.

Das heißt: Alles zurück auf Los?

Ich gehe davon aus, dass das Konzept der Sendung stark genug ist, aber im Detail ordentlicher gearbeitet werden muss.

Die Kandidaten sollten stärker von den Wettpaten betüttert werden. Viele Stars hatten dazu aber gar keine Lust.

Darum werden wir das auch nicht mehr machen. Wir werden die Gäste wieder nacheinander auftreten lassen. Der Promi soll nicht drei Stunden lang mit einem Dolmetscher im Ohr ausharren müssen.

Aber die Personalie Lanz steht nicht zur Debatte?

Nein, ich glaube an seine Kraft und an seinen Mut. Er war der Einzige, der sich getraut hat, diese Sendung zu übernehmen. Nach den ganzen Watschen stellt er sich trotzdem. Ich finde, das muss belohnt werden.

Und was ist, wenn die Quote weiter sinkt?

Ich werde mich hüten, eine Zahl zu nennen. Wir wollen weiterhin die erfolgreichste Sendung im deutschen Fernsehen bleiben. Wenn es einzelne Ausrutscher gibt, wäre das nicht so schlimm.

Wetten, dass das ZDF eher einen Nachfolger für Lanz sucht, als die Gretchenfrage zu stellen, ob das Format noch zeitgemäß ist?

(lacht) Im Augenblick stellt sich die Frage nicht.