Ex-Soldaten

Die Auftragskiller aus Deutschland

In New York sind fünf Personen angeklagt, die einen Drogenfahnder umbringen sollten

Selbst New Yorks Staatsanwalt Preet Bharara fühlte sich an einen Thriller erinnert: „Die schauderhaften Anschuldigungen in der Klageschrift lesen sich, als wären sie aus einem Roman von Tom Clancy“, sagte er. Gerade hatte er nach einer filmreichen Jagd über vier Kontinente Anklage gegen fünf Ex-Soldaten erhoben, die angeblich einen US-Drogenfahnder und dessen Informanten ermorden wollten. Zwei von ihnen sind deutsche Staatsbürger, Michael F., genannt „Paul“ und Dennis G., genannt „Nico“, bis 2010 und 2009 noch Soldaten und Scharfschützen der Bundeswehr. F. diente in Afghanistan, G. im Kosovo.

Kopf der Gruppe war ein Amerikaner, Joseph H., 48, der sich „Frank Robinson“, „Jim Riker“ und „Rambo“ nennen ließ. Nach einer Karriere bei der US-Armee begann der Ex-Ausbilder der Anklageschrift zufolge 2004 eine zweite – als Auftragskiller. Für mehrere Morde soll er verantwortlich sein, zumeist hatte er Hilfe. Für den jüngsten Auftrag holte er sich die Unterstützung von gleich vier Kameraden: einem Amerikaner, 42, einem Polen, 40, und den zwei Deutschen, 27 und 29. Ihr Training hatten alle in der Heimat erhalten – in den regulären Armeen ihrer Länder. Die beiden Deutschen und der Pole waren ausgebildete Scharfschützen.

Die fünf arbeiteten laut Bharara als Leibwächter für Drogenbosse, doch jeder wollte „Bonusjobs“. Das waren Morde, die extra bezahlt wurden. Für einen ganz speziellen – dem an einem US-Drogenfahnder und dessen Informanten im westafrikanischen Liberia – sollte es für alle drei 700.000 Dollar (rund 520.000 Euro) geben, plus noch einmal 100.000 Dollar für „Rambo“. Die Gruppe schmuggelte Kokain und besorgte Waffen, darunter Maschinenpistolen und kleinkalibrige Pistolen.

Sie kundschafteten ihre Opfer aus. Thailand, Mauritius, Liberia, Bahamas, New York – die Schauplätze könnten auch aus dem nächsten Bond-Film sein. Die Gangster beschafften sogar spezielle Gesichtsmasken, um aus den beiden Amerikanern und einem Deutschen drei Afrikaner zu machen.

Jedoch: Der Auftraggeber war ein verdeckter Ermittler und die fünf waren unter ständiger Beobachtung. Am vergangenen Mittwoch wurden sie festgenommen: „Rambo“ in Thailand, der andere Amerikaner und ein Deutscher in Liberia, der Pole und der andere Deutsche in Estland. In New York sollen die fünf demnächst wieder zusammentreffen – vor dem Haftrichter.

„Die Anklage gibt Auskunft über eine Szene gut ausgebildeter Scharfschützen, die sich als Söldner im Namen des Bösen anheuern lassen“, sagte New Yorks Staatsanwalt Bharara. „Drei der Angeklagten waren bereit, willens und geradezu begierig darauf, kaltes Geld für einen kaltblütigen Mord zu nehmen.“ Wie kaltblütig, steht in den Ermittlungsakten. Demnach sagte der deutsche Scharfschütze, der den Mord in Liberia ausführen sollte, bei einem Treffen: „Das macht Spaß. Also mir macht das Spaß. Ich liebe diese Arbeit.“