Naturkatastrophe

Mexiko verharrt im Ausnahmezustand

Heftige Unwetter ziehen über das Land. Von der Küste aus droht ein neuer Sturm

Dammbrüche, Überschwemmungen, Erdrutsche: Immer weitere Gebiete von Mexiko versinken in den Fluten. Hurrikan „Manuel“ zog am Donnerstag über den Nordwesten des Landes hinweg. Starker Regen ließ im Bundesstaat Sinaloa die Flüsse über die Ufer treten, Straßen brachen weg und Stromleitungen wurden gekappt.

Bei den tagelangen Unwettern im ganzen Land kamen bislang 97 Menschen ums Leben. Weitere 68 würden noch immer vermisst, sagte Innenminister Miguel Ángel Osorio Chong im Sender Radio Formula. Die Rettungskräfte evakuierten zahlreiche Ortschaften und brachten rund 50.000 Menschen in Sicherheit. Allein in Sinaloa wurden 90 Ortschaften schwer beschädigt, bis zu 100.000 Menschen könnten ihr Obdach verloren haben, wie die örtliche Regierung mitteilte. Gouverneur Mario López Valdez rief für mehrere Regionen den Notstand aus. Todesopfer habe es in dem Bundesstaat bislang noch nicht gegeben, sagte der Kommandant der 9. Militärzone, General Miguel Ángel Hurtado Ocho.

Im Landesinneren verlor „Manuel“ an Kraft und bewegte sich als tropisches Tiefdruckgebiet weiter Richtung Nordosten. Unterdessen zog über dem Golf von Mexiko schon ein neues Unwetter herauf. Das Tiefdruckgebiet befinde sich nordöstlich der Hafenstadt Veracruz und könne sich zu einem Wirbelsturm entwickeln, teilte der Wetterdienst am Donnerstagabend mit. Bei Rettungsarbeiten im besonders stark betroffenen Bundesstaat Guerrero verlor die Bundespolizei übereinstimmenden Medienberichten zufolge den Kontakt zu einem ihrer Hubschrauber. Der Helikopter sei bei schlechten Witterungsverhältnissen über der Region Coyuca de Catalán verschwunden, meldete Radio MVS unter Berufung auf Polizeikreise. Präsident Enrique Peña Nieto sprach von „einer nie dagewesenen Lage“. Fast das gesamte Land sei von Unwettern betroffen, sagte er bei einer Pressekonferenz in Acapulco. Wegen der außergewöhnlichen Situation habe er seinen Besuch bei der UN-Vollversammlung in der kommenden Woche in New York abgesagt.

Unterdessen setzten die Streitkräfte ihre Aufräumarbeiten in den Katastrophengebieten fort. Er gehe davon aus, dass die Autopista del Sol zwischen Mexiko-Stadt und Acapulco am Freitag wieder freigegeben werden könne, sagte Verkehrsminister Gerardo Ruiz Esparza.

Landesweit wurden nach Angaben der Behörden 35.000 Häuser zerstört. Besonders hart wurde der Badeort Acapulco getroffen, wo zunächst rund 40.000 Touristen festsaßen. Bis Donnerstagabend wurden rund 15.000 von ihnen mit Militär- und Linienmaschinen nach Mexiko-Stadt ausgeflogen. Unterdessen mussten die gestrandeten Urlauber mit anderen Schwierigkeiten kämpfen: Die starken Wassermassen spülten Krokodile in die Straßen. Sie stammen aus freier Wildbahn sowie einer Krokodilsfarm.

Aus Protest gegen die schleppende Evakuierung blockierten rund 5000 Touristen, die in einem Kongresszentrum untergebracht wurden, eine Straße.