Archäologie

Mumie aus Diepholz ist Tausende Jahre alt

Spektakulärer Dachbodenfundwohl keine Fälschung

Die Mumie von Diepholz ist anscheinend Tausende Jahre alt. Das teilte die Staatsanwaltschaft Verden der Berliner Morgenpost mit. „Es gibt Anzeichen dafür, dass der Leichnam etwa 2000 Jahre alt ist“, sagt Lutz Gaebler, Pressesprecher der Behörde.

Zurzeit untersucht das Institut für Rechtsmedizin am Hamburger Universitätskrankenhaus (UKE) die antiken Gebeine. Die Nachricht ist umso erstaunlicher, weil die Tücher und Bandagen, mit denen der Körper eingewickelt wurde, aus dem 20. Jahrhundert stammen. Sollten die sterblichen Überreste wirklich aus der Antike stammen, müsste der Leichnam vor wenigen Jahrzehnten neu eingewickelt worden sein. Woher er genau stammt, ist unbekannt.

Klar ist aber bereits jetzt: Der Mensch starb wohl keines natürlichen Todes. In seinem Auge steckte eine Pfeilspitze, die Halswirbelsäule wurde nach seinem Tod entfernt. Jahrelang lagen die Überreste des kleinen Körpers in einer Holzkiste auf dem Dachboden des Zahnarztes Lutz Kettler in Diepholz, wo der mumienartig eingewickelten Leichnam kürzlich entdeckt wurde. „Ich möchte das Rätsel gerne lösen“, sagt er. „Ich glaube, dass mein Vater diese Kiste von einer Afrika-Reise mitgebracht hat.“

Experten hielten den Mumienfund für einen makabren Scherz. Der Chefarzt der Pathologie am Münchner Krankenhaus Bogenhausen, Andreas Nerlich, bezeichnete den Fund als „Fälschung“. Er hatte die Leichenteile allerdings nie untersucht und aus der Ferne geurteilt.

Professor Klaus Püschel dagegen gilt als Experte auf dem Gebiet der Altersbestimmung antiker Leichen. Der Leiter des Instituts für Rechtsmedizin hatte schon den angeblichen Störtebeker-Schädel untersucht. Seine Mitarbeiter haben offenkundig schnell Fortschritte bei der Untersuchung des Diepholzer Leichnams gemacht: Die Mumie ist tatsächlich eine Mumie – mit einer immer noch rätselhaften Geschichte.

Die Kiste mit der Mumie darin wurde von dem zehnjährigen Sohn des Zahnarztes gefunden. Der Großvater hatte diese offenbar in den 50er-Jahren von einer Ägypten-Reise mitgebracht, die genauen Umstände sind aber nicht bekannt.