Suizid

Cleveland-Entführer Ariel Castro beging offenbar Selbstmord

Der verurteilte Cleveland-Entführer Ariel Castro ist tot.

Am Dienstagabend gegen 21.20 Uhr (Ortszeit) sei der 53-Jährige erhängt in seiner Zelle im Gefängnis in Orient südlich von Columbus gefunden worden, wo er Dienstagnacht alleine untergebracht gewesen sei, erklärte die Sprecherin der Justizbehörde, JoEllen Smith. Wächter hätten sofort versucht, ihn wiederzubeleben, anschließend sei er ins Krankenhaus gebracht worden. In der Klinik sei er aber für tot erklärt worden.

Der arbeitslose Busfahrer Castro hatte zwischen 2002 und 2004 drei junge Frauen entführt und in seinem Haus in einem Arbeiterbezirk von Cleveland eingesperrt und misshandelt. Er vergewaltigte sie dabei unzählige Male. Als eine von ihnen schwanger wurde, tötete Castro den Fötus durch Schläge in den Bauch. Das jahrelange Martyrium der Frauen endete erst im Mai. Im anschließenden Verfahren hatte Castro angegeben, der Geschlechtsverkehr mit den Frauen sei in gegenseitigem Einvernehmen erfolgt, das Zusammenleben „harmonisch“ gewesen. Sich selbst bezeichnete er als „sehr emotional“ und einen „innerlich glücklichen Menschen“. Castro war Anfang August zu lebenslang plus 1000 Jahre Haft verurteilt worden.

Wegen der Aufmerksamkeit für seinen Fall stand er den Angaben zufolge im Gefängnis unter besonderer ständiger Beobachtung. Alle 30 Minuten wurde nach ihm gesehen. Selbstmordgefahr sahen die Behörden demnach aber nicht. Wie es Castro gelang, sich zu erhängen, blieb zunächst offen. Castros Anwälte hatten nach Angaben des Verteidigers Jaye Schlachet bereits vor einiger Zeit versucht, eine psychologische Untersuchung ihres Mandanten durchzusetzen, hatten dabei aber keinen Erfolg. Schlachet konnte zunächst keinen weiteren Kommentar abgeben.

Castro hatte nach Feststellung des Gerichts seine drei Opfer – Amanda Berry, Gina DeJesus und Michelle Knight – im Alter von 14, 16 und 20 Jahren 2002 bis 2004 entführt. Er hatte sie demnach fast zehn Jahre eingekerkert, misshandelt und vergewaltigt. Anfang Mai konnten die Frauen fliehen. Berry hat eine sechsjährige Tochter von Castro.

Castros mutmaßlicher Selbstmord war bereits der zweite Fall dieser Art in Ohio binnen eines Monats: Am 4. August war der zum Tode verurteilte Billy Slagle ebenfalls erhängt in seiner Zelle gefunden worden. Nur wenige Tage später hätte er hingerichtet werden sollen.

Der Schwager Castros sagte dem TV-Sender CNN, die Familie sei darüber verärgert, dass sie von dem Tod zunächst aus den Medien erfahren habe. Erst danach sei sie von der Leitung der Haftanstalt über den Tod informiert worden, ergänzte Juan Alicea.