Sicherheit

2016 kann Degowski frei kommen

Gladbecker Geiselnehmer wird auf Entlassung in drei Jahren vorbereitet

Die Schuld von Dieter Degowski an dem Verbrechen, bei dem drei Menschen starben, ist aus juristischer Sicht längst gesühnt. Nach der Verurteilung des Geiselnehmers von Gladbeck zu lebenslanger Haft wurde die Mindestverbüßungsdauer auf 24 Jahre festgelegt, im Januar 2013 lief diese Zeit ab. Dennoch bleibt der 57-Jährige hinter Gittern: Die Strafvollstreckungskammer des Landgerichts Arnsberg hat Degowskis Antrag auf Haftentlassung abgelehnt.

In dem Beschluss heißt es, die Kammer sehe „eine erhöhte Gefahr, dass der Verurteilte bei einer unvorbereiteten Entlassung ins soziale Randmilieu abrutschen könnte, in dem die Gefahr weiterer schwerer Straftaten besteht“. Gleichzeitig ist die Entscheidung aber auch ein Hoffnungsschimmer für den Inhaftierten: Degowski, so die Anordnung des Gerichts, solle in den kommenden drei Jahren auf eine Haftentlassung vorbereitet werden. Eine Garantie, dass Degowski tatsächlich 2016 freikommt, ist das – anders als von einigen Medien berichtet – allerdings nicht. Falls der Mann in drei Jahren tatsächlich einen neuen Antrag auf Haftentlassung stellen sollte, wird dieser genauso sorgfältig geprüft wie in diesem Jahr. Erneut würde ein psychiatrisches Gutachten vom Gericht in Auftrag gegeben werden.

In dem Gutachten aus diesem Jahr, das von Norbert Leygraf angefertigt wurde, heißt es, Degowski sei zwar therapiewillig, aber intellektuell nicht dazu in der Lage, sich therapieren zu lassen. Leygraf sprach sich gegen eine Haftentlassung des Mannes aus. Ob Leygraf oder ein anderer Gutachter 2016 zu einem anderen Ergebnis kommen würde, lässt sich derzeit nicht vorhersagen. Die schrittweise Vorbereitung auf die Entlassung Degowskis könne „durch zunächst begleitete, später unbegleitete Ausgänge und anschließend die Verlegung in den offenen Vollzug mit der Möglichkeit von Hafturlaub erfolgen“, heißt es in der Mitteilung des Landgerichts.

Allerdings: Das Gericht kann eine solche Vorbereitung zwar anordnen, die Entscheidungsgewalt über die einzelnen Maßnahmen zur Haftlockerung trifft aber der Vollzug selbst. Degowski sitzt in der JVA Werl ein, die Vollzugsbeamten dort werden entscheiden, inwiefern dem Inhaftierten begleitete Ausgänge und Besuche bei Verwandten gewährt werden. Sie tragen die Verantwortung dafür, wenn etwas schiefgeht. Wie die JVA Werl weiter mit ihrem prominenten Gefangenen umgehen will, ist noch unklar. Anstaltsleiter Michael Skirl sagte der Berliner Morgenpost: „Wir warten nun ab, bis wir den Beschluss des Landgerichts schriftlich vorliegen haben. Dann werden wir über die Umsetzung entscheiden.“

Degowski und sein Komplize Hans-Jürgen Rösner sitzen seit 1988 in Haft. Sie hatten damals in Gladbeck eine Bank überfallen und auf der Flucht zwei Menschen getötet. Ein Polizist verunglückte.