Unglück

Hai-Attacke: Trauer um deutsches Opfer

20-Jährige aus Hessen stirbt an ihren Verletzungen. Der Raubfisch hatte ihr den Arm abgerissen

Eine Woche nach einem Hai-Angriff ist eine 20 Jahre alte deutsche Urlauberin in Hawaii an den Folgen ihrer schweren Verletzungen gestorben. Der Raubfisch hatte der jungen Frau aus dem hessischen Zierenberg beim Schnorcheln den Arm abgerissen.

„Jana hat stark um ihr Leben gekämpft. Wir sind sehr traurig, mitteilen zu müssen, dass sie diesen Kampf heute verloren hat“, erklärten das Krankenhaus und die Familie des Opfers am Mittwochabend (Ortszeit) in einer Mitteilung. „Jana war eine sehr schöne und starke junge Frau, die immer gelacht hat, und wir werden sie immer so in Erinnerung behalten.“ Die junge Deutsche war knapp 50 Meter vor der Küste der Ferieninsel Maui schnorcheln, als der Hai sie am vergangenen Mittwoch attackierte. Von ihren Hilferufen alarmiert, halfen sowohl ein Pastor aus Kalifornien als auch ihre Freundinnen, das schwer verletzte Opfer aus dem Wasser zu holen. Mutter und Schwester der Frau bedankten sich in der Mitteilung für die Anteilnahme in der ganzen Welt und bei den Ärzten und Krankenschwestern des Maui Memorial Medical Center.

Der Leiter von Hawaiis Umweltbehörde DLNR, William Aila, sprach der Familie sein Beileid aus. „Als Inselstaat sind wir uns bewusst, dass wir alle Besucher in dieser natürlichen Umgebung sind und dass bedauerliche Vorfälle wie dieser passieren können“, sagte er. Es werde aber weiter an Möglichkeiten geforscht, die Sicherheit zu erhöhen. So will Hawaii angesichts vermehrter Attacken in jüngster Zeit die Bewegung der Tigerhaie vor seinen Küsten genauer erforschen. „Wir verfolgen die letzten Hai-Angriffe mit großem Interesse“, sagte Aila. „Es scheinen aber unabhängige Ereignisse mit Haien unterschiedlicher Art und Größe zu sein.“

Hawaii zählt jedes Jahr etwa vier Hai-Angriffe – in diesem Jahr waren es aber schon acht, vier davon in den vergangenen Wochen. Nur vier Tage nach dem Angriff auf die junge Deutsche habe in der Pohoiki-Bucht ein Hai einen 16-jährigen Surfer an den Beinen verletzt, berichtete CNN. Nach US-Medienberichten hatte es in Hawaii aber seit fast zehn Jahren keine tödliche Hai-Attacke mehr gegeben: Im April 2004 starb ein 57 Jahre alter Surfer ebenfalls vor der Küste von Maui.

Aber nicht nur in Hawaii, auch an den Küsten Floridas, Australiens und Südafrikas werden Surfer und Schwimmer immer wieder von Haien angegriffen. Doch Horrorszenen, wie sie sich im Meer vor Maui abspielten, sind nach Ansicht von Experten sehr selten. „Das ist ein tragischer Unfall. Aber nur ein Unfall“, sagt Gerhard Wegner von der Hai-Schutzorganisation Sharkproject. „Wir befinden uns nicht im Nahrungsspektrum dieser Tiere. Sie jagen uns nicht, und sie wollen uns auch nicht fressen.“

Tatsächlich ist die Gefahr eines Hai-Angriffs für Menschen äußerst gering. Weltweit registriert die Universität von Florida jährlich rund 80 unprovozierte Attacken, nur ein Bruchteil davon endet tödlich. Meist lassen die Fische nach einem Testbiss wieder von Schwimmern ab. Im Jahr 2012 verloren insgesamt sieben Menschen bei Hai-Angriffen ihr Leben. „Und wir haben Milliarden von Wassersportvorgängen in Hai-Gebieten“, meint Wegner. Dem Hai-Experten zufolge sterben jedes Jahr mehr Menschen durch umfallende Getränkeautomaten.

Trotzdem ist der Hai gefürchtet. Henning May taucht jede Woche mit einem Tigerhai im Stralsunder Ozeaneum. Er ist vorsichtig und respektvoll, wenn er in das Becken steigt. „Sie sehen Furcht einflößend aus, gelten als Könige der Meere, ganz ohne natürliche Feinde“, sagt May. Der Taucher will dem Tier nicht zu nahe kommen, damit es nicht in Panik gerät. Trotzdem hat May keine Angst: „Haie sind nicht gefährlicher als Hunde.“ Experten kämpfen seit Jahren gegen den Mythos um „das Meeresmonster.“ „Die Angst ist tief in uns drin. Seit der Zeit, als wir von Säbelzahntigern gejagt wurden, haben wir Angst vor dunklen, unbekannten Tiefen und vor spitzen Zähnen. Für all das steht der Hai“, erklärt Gerhard Wegner. „Dabei müssten wir heute eher genetische Ängste vor Bankberatern und Investmentbankern entwickeln.“

Irrationale Furcht

Film und Fernsehen schüren die Urängste vor dem Hai. Auch der Unfall in Hawaii zieht ein großes Medienecho nach sich. Die irrationale Furcht des Menschen ist wohl auch der größte Feind der Meeresräuber. Die allgemeine Angst schwächt die Lobby der Hai-Schützer. Von weltweit mehr als 500 Hai-Arten stehen bereits mehr als 70 auf der Roten Liste bedrohter Arten. Im Kontrast zu der Handvoll Menschen, die jährlich von den Raubfischen attackiert wird, verenden nach Angaben der Umweltstiftung WWF jedes Jahr bis zu 100 Millionen Haie in Fischernetzen – meist nur, um ihre Flossen abzuhacken, die in Asien als Delikatesse gelten.

Die EU hat mittlerweile etliche Hai-Arten unter Schutz genommen und die Verstümmelung der Haifische verboten. Auch Tauchsportler entdecken mehr und mehr die Schönheit der Raubfische. Organisationen wie Sharkproject kämpfen um das Image der Fische. „Wir versuchen, aus einem Menschenfresser ein ganz normales Raubtier zu machen“, sagt Wegner. „Der Hai ist zwar kein Schoßtier, aber weit entfernt von einem Menschenfresser oder Monster.“