Technologie

Genauer Blick auf den blauen Planeten

Von 2015 an soll erstmals ein Weltraumteleskop die Erde beobachten. Firma plant regelmäßige Flüge zum Trabanten

Etwas mehr als 400 Jahre ist es jetzt her, seit der italienische Astronom Galileo Galilei erstmals sein Fernrohr Richtung Himmel richtete. Was danach kam, war so ziemlich eine Erfolgsgeschichte von Teleskopen in allen denkbaren Ausführungen – auf kleinen Stativen oder in riesigen Kratern, schwenkbar oder fixiert, Teleskope wurden in allen erdenklichen Varianten konstruiert, um dem Weltraum seine Geheimnisse zu entlocken. Und spätestens seit das Weltraumteleskop „Hubble“ vor 23 Jahren auf seine Mission startete, weiß die Menschheit, dass ein Fernrohr, das nicht auf der Erde steht, sondern durch das All fliegt, noch viel mehr sehen kann.

Das private US-Unternehmen Moon Express hat sich nun eine neue Verwendungsmöglichkeit für Weltraumteleskope einfallen lassen: zur Abwechslung einmal nicht hinausblicken ins All, sondern hinunter auf die Erde. Und zwar vom Mond aus. „Der Mond ist wie ein achter Kontinent gleich vor unserer Küste“, findet Firmenchef Bob Richards. „Wir müssen ihn nur nutzen.“

Richards Unternehmen will – gemäß seinem Namen, per Express zum Mond: bis zu dreimal im Jahr mit Nutzlasten von maximal fünfzig Kilogramm. Moon Express soll nicht die großen Regierungsprogramme ersetzen. „Uns schweben kostengünstige, kleinere Nutzlasten von der Größe eines Stuhls vor“, sagt der Unternehmenschef. „Die Raumfahrtbehörden könnten dann unsere Kunden werden – und das zu günstigeren Konditionen, als sie es selbst bewerkstelligen können, und außerdem schneller.“ Die erste Mission ist bereits ausgebucht: Eine niederländische Firma will ein Instrument testen, das später an Bord der europäisch-russischen Sonde „ExoMars“ fliegen soll. Ein anderes Unternehmen möchte auf dem Mond Pflanzen wachsen lassen.

Ein drittes Unternehmen hat weniger die belebte Natur im Auge, als Sterne und Planeten. Die International Lunar Observation Association (ILOA) aus Hawaii will ein Mondteleskop installieren, dass nur etwas mehr als zwei Kilogramm wiegt. Einmal auf dem Mond gelandet, sollen es Astronomen von der Erde aus fernsteuern können, um so die gewünschten Ziele – Planeten, Aasteroiden Monde – in den Fokus zu bekommen. Eines der Ziele ist dabei die Erde selbst. Denn einer der großen astronomischen Vorteile der Himmelsbeobachtung vom Mond aus ist, dass er der Erde immer die gleiche Seite zeigt. Damit ist er als Beobachtungsplattform sehr stabil und verlässlich.

Ein weiterer Vorteil eines Teleskops auf dem Mond: Sobald Menschen mit dem Bau einer Mond-Basis beginnen, können sie das außerirdische Fernrohr jederzeit vor Ort warten. Es bedarf also keiner kostspieligen, aufwendigen Reparaturmissionen wie etwa zum „Hubble“-Weltraumteleskop. Von ihrer Mond-Station aus müssten Astronauten nur mal eben hingehen.