Badebetrieb

Die schmutzige Gefahr an Italiens Stränden

Weil oft Abwässer direkt ins Meer fließen, sind die Küsten bakteriell verseucht

Es ist nicht alles sauber, was schön glitzert: In Italien täuschen die türkis-grün-blauen Schattierungen im klaren Meer an vielen Stränden über die wirkliche Wasserqualität hinweg. Und nicht immer sind die Umweltsünden sichtbar: Gefährliche Kolibakterien verseuchen Strände, vor allem wenn sie in der unmittelbaren Nähe von Flussmündungen liegen. Das zeigt die Studie, die Italiens größte Umweltorganisation „Legambiente“ jetzt veröffentlicht hat. Legambiente schickt jeden Sommer das Laborschiff „Goletta Verde“ die 7412,6 italienischen Küstenkilometer entlang. Die Ergebnisse der Forscher auf der kleinen Zweimastbark werden ebenso ungeduldig erwartet wie gefürchtet.

Denn auch die diesjährige Reise zeigt es: Von Venetien und Ligurien im Norden bis nach Sizilien im Süden liegen viele Wasserwerte weit über der gesetzlichen Höchstgrenze für Bakterien und andere Umweltgifte. An 104 von 263 Stellen erwiesen sich die Proben gar als schwer verseucht. Oft sind die Küstenabschnitte um Flussmündungen betroffen. Am dreckigsten ist es in der süditalienischen Region Kampanien. An 15 Orten ist das Meerwasser schwer verschmutzt, meist an Stränden um die Großstadt Neapel, aber auch an der Küste der Insel Ischia. In der Hitliste der Umweltsünder folgen die Regionen Latium und im Süden Apulien, Sizilien und Kalabrien. Besser schneiden Regionen an der norditalienischen Adria, Friaul, Venetien und selbst die Emilia-Romagna, wo die riesigen Ferienstädte Rimini und Riccione liegen.

Schuld an der Verschmutzung sind Erdölabfälle, militärische Anlagen, ausufernde Bauwut und Kreuzfahrtschiffe, meistens aber schlecht oder gar nicht funktionierende Kläranlagen. Erstaunlich ist, dass in den Karten des Umweltministeriums die Hälfte der stark verschmutzten Orte als badetauglich gilt – wohl deshalb, weil viele gar nicht erst den Analysen unterzogen werden. Hier lauert die Gefahr: nur wo offiziell Proben entnommen werden, gibt es Hinweisschilder für Badeverbot. In Italien, so der Bericht der Legambiente, fließen Abwässer von 23 der knapp 60 Millionen Einwohner immer noch ungereinigt direkt ins Meer oder in Flüsse und Bäche, die es dann an Stränden wieder ausspucken. Das Problem: starke Belastung mit Kolibakterien sieht man im klaren Wasser nicht immer mit bloßem Auge.

Aber der italienische Badebetrieb hat im Sommer 2013 noch andere Probleme: An vielen Stränden und in Strandbädern fehlen die berühmten „bagnini“, Bademeister. Die Betreiber der Strandbäder sind oft Opfer der anhaltenden Wirtschaftskrise, büßten in diesem Sommer teilweise bis zu 50 Prozent der Einnahmen.