Ausland

Gefährliche Twitter-Liebschaften

Peinliche Enthüllungen über die Vorlieben zweier New Yorker Politiker sorgen für Schlagzeilen

Für New Yorks Klatschpresse bleibt der Wahlkampf in der Hudson-Metrople auch weiterhin ein journalistisches Freudenfest. Grund sind dabei die durch ihre Sexskandale einst gestrauchelten Politiker Anthony Weiner und Eliot Spitzer. Beide versuchen sich an einem politischen Comeback, sorgen aber mit süffisanten Neuigkeiten aus ihrem vergangenen und aktuellen Privatleben immer wieder für peinliche und vermutlich wahlentscheidene Schlagzeilen.

Während der verheiratete Eliot Spitzer, der als Gouverneur von New York nach einer Affäre mit einer Edelprostituierten 2008 zurücktreten musste und jetzt Rechnungsprüfer der Stadt werden will, sich fast täglich bei Wahlkampfauftritten wegen einer angeblichen Freundin rechtfertigen muss, wird Anthony Weiner zurzeit von einer alten Internet-Freundin verfolgt. Ihr hatte er – neben anderen Frauen – anonym über Twitter einst Nacktbilder von sich geschickt. Weiner musste 2011 wegen seiner Vorliebe, seine Manneskraft anderen Frauen als seiner eigenen zu zeigen, als US-Kongressabgeordneter zurücktreten.

Öffentliche Auftritte

Sydney Leathers, eine 23 Jahre alte Brünette, plaudert dabei nicht nur in aller Öffentlichkeit und mit offenbar zunehmender Freude über ihre Internetaffäre mit Weiner. Sie nutzt ihre 15 Minuten Ruhm auch gleich noch dazu, ein bisschen Geld zu verdienen.

Nachdem die Twitter-Freundin, die Weiner bisher noch nie persönlich getroffen hat, in der vergangenen Woche in der Radio-Show des bekannten Schmuddelkönigs Howard Stern aufgetreten war, hat sie jetzt – geschäftstüchtig, wie sie zu sein scheint – noch ein erotisches Video nachgeschoben. In dem Streifen erzählt sie nicht nur lächelnd über ihre Beziehung zu dem Möchtegern-Bürgermeister Weiner. Leathers zieht sich darin auch aus und verdeckt für Fotoaufnahmen wahlweise nur mit einer amerikanischen Flagge oder einer gefälschten Seite-1-Zeitungsseite mit der Schlagzeile „Weinergate“ ihren entblößten Körper.

Produziert hat den Streifen Vivid Entertainment, ein Porno-Unternehmen, das in den vergangenen Jahren immer wieder mit offiziellen und inoffiziellen Sexvideos von Prominenten für Schlagzeilen gesorgt hatte. Vivid zeigte dabei nicht nur einen Kurzfilm, auf dem „Baywatch“-Star Pamela Anderson mit ihrem Ex-Mann Tommy Lee zu Gange war, sondern auch ein angeblich nicht für die Öffentlichkeit bestimmtes Video von Reality-Star Kim Kardashian mit ihrem damaligen Liebhaber Ray J. Tryst.

Den 48 Jahre alten und verheirateten Ex-Kongressabgeordneten Weiner zieht der genau fünf Minuten und eine Sekunde lange Clip noch weiter in den Sündensumpf und erledigt endgültig seine Ambitionen, den erfolgreichen Stadtvorsteher Michael Bloomberg zu beerben.

„Er hat einen unglaublich großen Fetisch für meine Füße in hochhackigen Schuhen gehabt“, verrät Leathers auf ihrem Video, für das sie nach unbestätigten Medienberichten eine „Summe in sechsstelliger Höhe“ kassiert haben könnte. „Ich weiß nicht, ob das an mir lag oder ob Weiner bei allen Mädchen auf diese Dinge steht.“ In ihrem Fall zumindest sei er „besessen gewesen von ihren Füßen“.

Leathers, die ihre Figur als „nicht ideal“ beschreibt, berichtet auch, wie sie den einstigen Kongressabgeordneten über Facebook kennengelernt hatte. „Ich habe ihm nach seinem Rücktritt 2011 eine Post geschrieben“, erzählt sie. „Ich war enttäuscht, wie man mit ihm in der Öffentlichkeit umgegangen war.“

Immerhin knapp ein Jahr später schien sich Weiner an diese nette Meldung zu erinnern. Dabei hatte er zu diesem Zeitpunkt nicht nur seiner Frau, der Hillary-Clinton-Beraterin und Mutter seines heute 18 Monate alten Sohnes, Huma Abedin, seine Liebe versichert, sondern auch in aller Öffentlichkeit die Heilung von seinen krankhaften Sexvorlieben verkündet.

„Ich war erst schockiert, doch dann fühlte ich mich irgendwie sehr geehrt, dass er sich bei mir gemeldet hatte“, sagt Leathers. Seine Intelligenz, an der mittlerweile nicht nur Weiners Gegner zweifeln, habe sie angezogen. „Ich stehe auf ältere, schlaue Männer“, gesteht Leathers. Weiner nannte sich bei seinem erneuten Ausflug in die platonische Welt der gefährlichen Internetaffären „Carlos Danger“. Doch Leathers will von Anfang an gewusst haben, wer sich hinter dem Tarnnamen verbarg.

Permanent Nacktbilder geschickt

„Wir haben uns permanent Nacktbilder geschickt“, sagt Leathers. Weiner sei sogar eifersüchtig gewesen auf andere Männer, welche die kurvenreich gebaute Frau auf Facebook für ihren Körper lobten. „Ich habe ihn dann immer daran erinnert, dass er verheiratet und sie Single sei.“ Laut Leathers wollte Weiner ihr sogar eine Wohnung in Chicago besorgen, wo er sie heimlich treffen wollte. „Er hat die ganze Zeit davon geträumt, mich zu sehen, mit mir Sex zu haben“, erzählt Leathers. „Er machte sich nur Sorgen wegen der Nachbarn.“ Intime Details, die einem erfolgreichen Wahlkampf sicherlich nicht helfen werden.

Bis kurz vor der Kandidatur von Anthony Weiner für den New Yorker Bürgermeisterposten soll die „Sexting-Affäre“ gegangen sein. „Wir hatten im April 2013 zum letzten Mal Kontakt“, sagt Leathers und widerspricht damit vehement ihrem Internetgeliebten. Weiner behauptet, er hätte schon viel früher aufgehört, Bilder von sich über das Internet zu verschicken.

Wer von den beiden recht hat, scheint zumindest die New Yorker nicht mehr zu interessieren. Sie haben den Glauben an Weiner längst verloren. Will man den neuen Umfragen Glauben schenken, dürfte knapp drei Monate vor der Wahl am 5. November bereits eins feststehen: „Carlos Danger“ wird nicht neuer Bürgermeister von New York.