Rettung

Befreiung in der Wildnis

Scharfschützen retten 16-jähriges Mädchen aus der Gewalt eines mutmaßlichen Mörders

Ein mutmaßlicher Doppelmörder ist tot, sein Entführungsopfer wurde gerettet: Nach einer Großfahndung in der Wildnis des US-Bundesstaates Idaho haben Scharfschützen am Sonnabendabend (Ortszeit) den 40-jährigen James Lee DiMaggio erschossen. Ein 16-jähriges Mädchen, das er in seiner Gewalt hatte, konnte gerettet werden, teilte die FBI-Einsatzleiterin Mary Rook Reportern in Idaho mit. Die beiden seien beim Campen in der Nähe eines Sees aufgespürt worden. Gerätselt wird noch immer über das Motiv des Entführers.

Bezirkssheriff Bill Gore im kalifornischen San Diego teilte mit, dass der Teenager, Hannah Anderson, dem ersten Anschein nach in „ziemlich guter Verfassung“ sei. Ein Hubschrauber brachte das Mädchen zur Überwachung in ein örtliches Krankenhaus. Noch am Sonntag sollte sie ihren Vater, Brett Anderson, im Krankenhaus wiedersehen, berichtete der TV-Sender NBC.

Familientragödie

Die beiden sind die einzigen Überlebenden der Familientragödie, die vor einer Woche begonnen hatte. Die gesamte Woche hielt die Suche nach Hannah Anderson die USA in ihrem Bann. „Nun beginnt der Heilungsprozess“, sagte der Vater dem Sender CNN. Er sei besorgt darüber, was seine Tochter durchgemacht habe. Zuvor hatte er sich in einem Interview an den Entführer gewandt und unter Tränen die Freilassung seiner Tochter gefordert. „Wir sind so erleichtert“, sagte die Großmutter der Entführten laut dem Fernsehsender NBC. Die Gebete seien erhört worden

Die blutige Tragödie nahm vergangenen Sonntag ihren Lauf, als die Leiche von Hannahs 44-jähriger Mutter und die ihres achtjährigen Bruders Ethan im brennenden Haus des Tatverdächtigen bei San Diego gefunden wurde. Die Behörden gehen davon aus, dass der 40-Jährige Mutter und Sohn tötete und dann den Teenager in seine Gewalt brachte. Das letzte Mal vor ihrer Entführung wurde das Mädchen bei einem Cheerleader-Training am vergangenen Sonnabend gesehen, berichtete der Fernsehnachrichtensender CNN. Der mutmaßliche Mörder war ein enger Freund der Familie und war den Kindern sehr vertraut.

Die Polizei leitete sofort eine Großfahndung im Westen der USA ein. Ein Ausflügler in der Wildnis von Idaho – über 1500 Kilometer von San Diego entfernt – war den Gesuchten am Mittwoch in der abgelegenen Bergregion begegnet. Er schöpfte zunächst aber keinen Verdacht. Später, als er im Fernsehen von der Fahndung erfuhr, alarmierte er die Behörden. Am vergangenen Freitag schließlich fand die Polizei in der Nähe des Wandergebiets das Auto des Entführers – ohne Nummernschild und von Zweigen verdeckt. Mehr als 150 bewaffnete Fahnder durchkämmten am Sonnabend die schroffe Landschaft. Hubschrauber überwachten und suchten aus der Luft.

Im Zuge dieser Suchaktion wurden das Zelt des Entführers und sein Opfer gefunden. Ob es zu einem Schusswechsel mit der Polizei kam oder Scharfschützen den Entführer direkt töteten, blieb zunächst unklar. „Natürlich hätten wir es lieber gesehen, wenn DiMaggio überlebt und sich in einem Gerichtssaal seiner Verantwortung gestellt hätte. Dazu ist es leider nicht gekommen“, sagte Bill Gore, der Bezirkssheriff von San Diego, in einem Fernsehinterview.

Rätsel über das Motiv

Familie und Freunde rätselten über das Motiv des 40-Jährigen, der mit der Anderson-Familie eng befreundet war. Ethan und Hannah hätten den Mann seit Jahren gekannt und ihn „Onkel Jim“ genannt, teilten die Behörden zuvor mit. Eine Freundin des Mädchens erzählte dem Sender CNN, dass der Mann vor einigen Monaten bei einer gemeinsamen Autofahrt mit den Teenagern darüber gesprochen habe, dass er in Hannah verschossen sei. Dieses Geständnis habe Hannah Sorge gemacht, sagte die Freundin Marissa Chavez. Sie wollte es aber nicht ihren Eltern erzählen, um deren enges Verhältnis mit dem Familienfreund nicht zu belasten.

US-Medien zufolge war der Entführer ein erfahrener Camper. Mit der Familie der Opfer hat er eine Reihe von Ausflügen in die Wildnis unternommen. Zudem gebe es Hinweise, dass er den Ausflug in die Wildnis von Idaho vorbereitet habe. Gerüchte ranken sich um den mutmaßlichen Entführer und Mörder von Andersons Mutter und Bruder. Medienberichten zufolge soll exakt 18 Jahre vor dem Tag, an dem DiMaggio in Idaho erschossen wurde, sich sein Vater das Leben genommen haben. Der Vater von DiMaggio soll, so wird berichtet, selber handgreiflich gegen Frauen geworden sein, die seine Annäherungsversuche ablehnten.