Fernsehen

Matussek muss sich Krömers Spott beugen

Hamburger Landgericht sieht Persönlichkeitsrechte nicht verletzt

Am heutigen Sonnabend wird das Fernsehen einen echten Showdown erleben. Moderator Kurt Krömer beginnt um 23.40 Uhr mit den neuen Folgen seiner Sendung „Krömer Late Night“. Überraschend als Gast dabei: „Spiegel“-Journalist und Buchautor Matthias Matussek.

Überraschend deshalb, weil Matussek die Ausstrahlung der Sendung verhindern wollte und will, nachdem er bei der Aufzeichnung dabei war. Er wird nämlich von Krömer zweimal „hinterfotziges Arschloch“, einmal „Pöbelhans“ und mindestens dreimal „Puffgänger“ genannt. Eine einstweilige Verfügung gegen die Sendung scheiterte am Donnerstag vor dem Landgericht Hamburg. Das anschließend angerufene Oberlandesgericht wird nach Auskunft von Matussek erst Mitte nächster Woche entscheiden.

Das Landgericht sah Matusseks Persönlichkeitsrechte nicht verletzt. Das „Vorliegen einer Formalbeleidigung“ sei bei den beanstandeten Worten zwar isoliert gegeben, allerdings müsse der Kontext betrachtet werden, berichtet das Medienmagazin „dwdl“. Der Anwalt Krömers und der Produktionsfirma hatte als Gegenargument stets die Kunst- und Satirefreiheit geltend gemacht. Ob das Oberlandesgericht anders entscheiden wird als das Landgericht, ist fraglich.

Was war passiert? Die Show wurde am 11. Juli im Berliner Ensemble vor Publikum aufgezeichnet; die erste von insgesamt acht neuen Folgen. Matthias Matussek wird in der fertig geschnittenen Fassung schon bei der Begrüßung „hinterfotziges Arschloch“ und „Pöbelhans“ genannt. Matussek verwahrt sich zunächst gütig dagegen. Kurz darauf fällt das Wort „hinterfotziges Arschloch“ erneut. Matussek zu Krömer: „Blöde Sau.“ Der 59-Jährige war nach eigener Aussage davon ausgegangen, über Religion und den Papst zu reden, seine derzeitigen Leib-und-Magen-Themen. Krömer fragt auch mehrmals danach. Matussek winkt selbst ab mit Hinweis auf die Unterhaltungssendung, ein Gespräch kommt nicht zustande.

Dann fragt Krömer: „Sind Sie Puffgänger?“ Als keine Antwort darauf erfolgt, sagt Krömer: „Aber wir halten fest, Sie sind regelmäßiger Puffgänger.“ Matussek: „Eine Unverschämtheit.“ Doch vom „Puffgänger“ ist weiter die Rede. Mehrmals erklärt Krömer bei anderen Geschmacklosigkeiten: „Ick bin ein juter Mensch. Det schneiden wir allet raus.“

Matthias Matussek, selbst ein Mann deutlicher Worte, fühlte sich dennoch ehrlich beleidigt. Er macht auch Tage später keinen Hehl aus seinem Ärger. „Aufstehen und gehen wäre natürlich besser gewesen, aber ich dachte mir, das stehst du durch, vor diesem Dumpfbackentum kapitulierst du nicht, selbst wenn du nur rumsitzt“, sagte er nach der Sendung. Schließlich verlangte Matussek, dass sein Part aus der Sendung herausgeschnitten wird. Krömers Produktionsfirma lehnte ab. Der Sender RBB war laut eigener Aussage bemüht, den Streit nicht öffentlich auszutragen.