Statistik

Hurrikan „Sandy“ brachte New York einen Baby-Boom

Oktober 2012: Hurrikan „Sandy“ versetzt Manhattan in die Steinzeit zurück.

Es gibt keinen Strom, kein Wasser, Handys funktionieren nicht. Neun Monate später wird klar, was die Menschen taten, die tagelang zum Nichtstun verurteilt waren: Der Nordosten der USA erlebt einen kleinen Babyboom. Medien zufolge gibt es einen ruckartigen Geburtenanstieg von „mehr als 30 Prozent“. So zählte das Monmouth-Krankenhaus in Long Branch im Juli insgesamt 500 Geburten gegenüber 371 im Juli vergangenen Jahres.

Ob nach Stromausfällen, autofreien Sonntagen oder eingeschneiten, von der Außenwelt abgeschnittenen Dörfern: Statistiker haben einen Ausdruck für die Folgen der erzwungenen Untätigkeit: Blackout-Babys. Auch der US-Wirtschaftsprofessor Richard Evans glaubt an die statistische Verlässlichkeit des Blackout-Kindersegens: „Es scheint, dass, wenn der Strom ausfällt und der Fernseher nicht mehr geht, die Geburtenzahl ansteigt.“ Evans’ Recherchen zufolge ist es normal, dass im Schnitt für jeden Tag einer Unwetterwarnung die Geburtenrate um zwei Prozent ansteigt. Allerdings sei der Babyboom nach dem Hurrikan „Sandy“, der im Oktober im Nordosten der USA gewütet hatte, nun deutlich ausgeprägter.

Unter Evans Kollegen ist dieser Effekt jedoch umstritten. So widerlegten Wissenschaftler inzwischen die Behauptung, dass der große Stromausfall in New York von 1965 einen Kindersegen hervorgerufen haben soll. Auch der vermeintliche Babyboom nach dem deutschen Sommermärchen, der Fußball-Weltmeisterschaft von 2006, wurde als ein Mythos entlarvt – statistische Ausreißer, die einige Demografen überinterpretierten, so bewertet heute die Mehrzahl der Statistiker die Sommerlegende. „Offenbar haben viele Leute Spaß an der Vorstellung, dass sich Menschen, wenn sie von ihren gewöhnlichen Aktivitäten ferngehalten werden, der Kopulation zuwenden“, schrieb schon vor mehr als 40 Jahren der Sozialforscher Richard Udry.