Abschlussmesse

Die ganz große Show

Der Event-Designer Abel Silveira Gomes baute die opulente Bühne für den Weltjugendtag. Nach der Kreuzwegprozession gab es Proteste

Eine Projektionsfläche, 15 Meter hoch, 70 Meter breit. Eine Bühne, 4000 Quadratmeter, gegliedert in mehrere Ebenen, flankierende Inseln zu den Seiten eines breiten roten Teppichs, der zum alles überragenden weißen Kreuz führt. Zu dessen Füßen der Papstthron. Lichteffekte und Choreografien sollen einen gebührend feierlichen Rahmen schaffen, wenn Franziskus an der Copacabana mit den Teilnehmern des Weltjugendtags zusammentrifft. Der Mann, der diese Maschine ersonnen hat, ist Abel Silveira Gomes.

Der 61-jährige gebürtige Portugiese gilt in Brasilien als einer der Top-Bühnenbildner für Großereignisse. Papsterfahren ist er auch: 1987 und 1990 schuf er die Altar-Aufbauten für Johannes PaulII. in Brasilien. Gomes steht im Ruf eines Workaholic und Perfektionisten. Doch diese Tage musste er vermutlich nicht nur ranklotzen, sondern auch improvisieren: Weil das Gelände für den Weltjugendtags-Abschluss in Guaratiba im Regen versumpft ist, sollte das von Gomes gestaltete Areal am Strand von Rio auch die Vigilfeier am Sonnabend und die Papstmesse am Sonntag beherbergen – mit möglicherweise der doppelten Zahl der Teilnehmer, für die es ausgelegt ist.

Der Portugiese kann nur groß

Gomes’ größte Baustelle war zuletzt die Schlussveranstaltung der Olympischen Spiele 2012 in London – hier firmierte er als „Creative Supervisor“. Auch die nächsten Sommerspiele, 2016 in Rio, werden seine Handschrift tragen. Die Bewohner der Millionenmetropole haben alle schon einmal etwas von Gomes gesehen. Ohne dass die meisten je seinen Namen gehört hätten, haben sie ihr Staunen wecken lassen von den riesenhaften Fischen, die er zum Rio+20-Gipfel 2012 am Copacabana-Strand installierte: Nachts blau-grün illuminiert, schienen die haushohen Meerwesen aus Sand zu springen wie Forellen im Teich.

Wenn Gomes etwas anfängt, dann soll es groß werden. Eine robuste Konstitution hilft ihm dabei: Vier, fünf Stunden Schlaf genügen ihm, und mindestens ebenso wie seine 250 Mitarbeiter unterstützt ihn Ehefrau Sheila Roza, mit der er seit über drei Jahrzehnten verheiratet ist. Es sind wenige Grundmaterialien, aus denen der Designer seine leuchtenden Welten erstehen lässt: Stahlrohre, Kunststoffplanen, etwas Beton. Darin gleicht Gomes einem launigen Schöpfergott. Er entwirft Messepavillons für nachhaltige Entwicklung ebenso wie Bühnen für die Formel 1 oder die World Military Games. Und jetzt für den Papst, der die Bescheidenheit predigt und Kleriker tadelt, die schicke Autos fahren.

Am Donnerstag, als Franziskus das erste Mal die Bühne von Gomes betrat, kam er aus einer Armensiedlung am Stadtrand. Dort hatte er von einem kleinen Podium am Bolzplatz zu den Leuten gesprochen. Eine heikle Aufgabe, den Papst der Armen in einem Rahmen von olympischen Ausmaßen zu inszenieren. In den vergangenen 48 Stunden dürften für Gomes weniger Stilfragen als logistische Probleme im Vordergrund gestanden haben. Die Tonanlage ist für die erwartete Menschenmasse zu klein, einige Videoschirme fehlen, das Bühnenprogramm muss umgestrickt und die Technik entsprechend programmiert werden. Jetzt ist der Workaholic Gomes gefragt. Zu den wenigen Hobbys, die er sich gönnt, gehört die Ultraleichtfliegerei. Manchmal, so erzählte er einmal, startet er hinauf zum Corcovado mit seinem Fluggerät aus simplem Rohrgestänge und Planen, dem Material seiner Zauberbühnen, und umrundet den segnenden Christus, „um zu beten und zu danken“.

Unterhalb, an Rios berühmter Strandpromenade Copacabana, wurde Papst Franziskus am Freitag nach einer Kreuzwegprozession von einer Million Gläubigen gefeiert. Der Pontifex rief die Pilger auf, mit dem christlichen Kreuz den Übeln und dem Leiden der heutigen Zeit zu begegnen. „Durch das Kreuz verbindet sich Jesus mit den vielen jungen Menschen, die ihr Vertrauen in die politischen Institutionen verloren haben, weil sie Egoismus und Korruption sehen“, sagte er. Dann gebe es noch jene, „die ihren Glauben an die Kirche oder sogar an Gott verloren haben wegen der Unlauterkeit von Christen und von Dienern des Evangeliums“, fügte er ein Stück katholische Selbstkritik hinzu.

Demonstration von Atheisten

Den Kreuzweg nannte Franziskus einen der „starken Momente“ des Weltjugendtages. Die Stationen waren auf Rios Strandpromenade aufgebaut, wo Darsteller die Geschichte des Leidensweges Jesu von der Verurteilung über die Kreuzigung bis zur Grablegung erzählten. Jugendliche trugen das große Pilgerkreuz und wurden von Messdienern und einer Ehrengarde begleitet. Der Papst verfolgte die Prozession von der Bühne aus. Franziskus bleibt noch bis zum heutigen Sonntag in Rio.

Kurz nachdem der Pontifex die Copacabana verlassen hatte, gelang es Hunderten Demonstranten, in die Nähe der Weltjugendtags-Bühne zu gelangen. Es gab Rangeleien mit der Polizei, die Ordnungskräfte isolierten die Gruppe. Viele Pilger verließen aufgeschreckt die Veranstaltung. Teilnehmer des Katholikentreffens buhten eine Gruppe von Atheisten aus. Demonstranten hielten Plakate, auf denen stand: „Mein Name ist Jesus, und ich bin gekommen, um euch zu sagen, dass Gott nicht existiert.“ Die Proteste richteten sich aber auch gegen den Gouverneur der Regionalregierung.

Ähnlich im rund 400 Kilometer entfernten São Paulo. Dort warfen Randalierer am Freitag Fensterscheiben mehrerer Bankfilialen ein. Die Polizei war mit einem massiven Aufgebot im Einsatz. Bei den landesweiten Protesten gegen Korruption und Misswirtschaft war es im vorigen Monat während des Confederations Cups teilweise zu heftigen Ausschreitungen gekommen.