Memri

Elfjährige kämpft auf YouTube gegen Zwangsehe

Zuerst möchte sie allen Journalisten danken, die ihren Fall aufgreifen.

Das bildhübsche Mädchen mit den großen dunklen Augen und den langen braunen Haaren guckt konzentriert in die Kamera und erzählt, sie habe Anzeige gegen ihre Mutter erstattet. „Ich habe ihnen erzählt, dass ich elf Jahre alt bin und dass sie mich verheiraten will.“ Sie habe kein Leben, keine Ausbildung. „Ich bin besser tot.“

Knapp drei Minuten lang ist das Video, in dem das Mädchen mit Namen Nada al-Ahdal seine Geschichte erzählt. Es sieht so aus, als sitze sie in einem Auto, als spreche sie in eine Kamera, die aufs Armaturenbrett montiert ist. Die Bilder sind verwackelt, aufgenommen im Gegenlicht. „Es ist wahr, dass ich von meiner Familie weggelaufen bin“, sagt das Mädchen. Ihre Tante habe sich mit 14 Jahren mit Benzin übergossen und angezündet, nach einem Jahr Zwangsehe. Das Mädchen spricht die Sätze in seiner Sprache, die englische Übersetzung ist unten im Bild eingeblendet. Sie werde nicht zurückgehen, steht da. Und: „Macht ruhig weiter und verheiratet mich. Ich werde mich umbringen, einfach so.“ Auf YouTube haben inzwischen mehr als 6,5 Millionen Menschen den Film gesehen. Ins Netz gestellt hat ihn das Middle East Media Research Institute, kurz Memri, das islamische Medien des Nahen Ostens beobachtet. Die Organisation mit Sitz in Beirut wurde schon häufiger für ihre mangelnde Neutralität kritisiert, für antiarabische Voreingenommenheit. Auf der Internetseite des Instituts steht das Video seit dem 8. Juli und immer noch ganz oben.

Ob das Mädchen wirklich Nada heißt und ob ihr Onkel sie tatsächlich vor dem Leben mit einem fremden älteren Mann gerettet hat, lässt sich schwer nachvollziehen. Das Video könnte auch gestellt sein, Teil einer Kampagne für den guten Zweck, den Kampf gegen Zwangsverheiratungen. Seit Anfang der Woche gibt es auch eine Facebook-Seite namens Nada al-Ahdal. Darauf haben aber erst knapp 400 Nutzer „gefällt mir“ angeklickt.