Familie

Mutter sucht im Internet heimlich Freundin für Sohn

Es gibt überängstliche Mütter, neurotische Mütter und hysterisch-aggressive Mütter. Ferner gibt es dann auch noch Muttertiere, die einfach nur zum Fürchten sind.

In letztere Kategorie muss eine Dame aus Philadelphia einsortiert werden, die bei Craigslist – jener amerikanischen Internetplattform, wo man alles kaufen kann, vom gebrauchten Sofa bis zur Villa in Las Vegas – eine Anzeige aufgegeben hat.

„Dies mag merkwürdig klingen“, beginnt die Dame aus Philadelphia, „aber mein Sohn geht in die letzte Klasse der Highschool, und ich möchte ihm helfen. Er ist 18 und wird im Herbst anfangen, in Harvard zu studieren. Er ist außerordentlich intelligent, aber linkisch und schüchtern, hatte noch nie eine Freundin, und ich bin mir sicher, dass er noch eine Jungfrau ist. Ich möchte ein süßes junges Mädchen finden, das mit ihm ausgeht und ihn vom Highschool-Sonderling zum coolen College-Studenten macht.“ Nun kommt die Dame zum Kern des Geschäfts, sie schreibt: „Hier ist mein Plan. Ich werde vier Karten für ein bevorstehendes Konzert kaufen – zwei gebe ich meinem Sohn und zwei dir. Er wird mit einem Kumpel kommen, du und deine Freundin werdet auf den Plätzen neben ihm sitzen. Jetzt wirst du aktiv, du fängst an, dich mit ihm zu unterhalten und gabelst ihn am Ende auf. Bitte ihn, dich irgendwohin zu bringen, und werdet eure Freunde los. Dann verführst du ihn und nimmst ihm seine Jungfräulichkeit. Gehe mit ihm aus (und zeige ihm verschiedene Stellungen beim Sex), bis er aufs College geht; dann trenne dich sanft von ihm, damit er, wenn er dort ist, das Selbstbewusstsein gewinnt, mit anderen Mädels auszugehen. Als Gegenleistung werde ich deine finanziellen Sorgen zum Verschwinden bringen.“

Man weiß gar nicht, was man mehr zum Fürchten finden soll: Ist es der Wunsch, das Leben des eigenen Sohnes bis ins i-Tüpfelchen zu kontrollieren? Oder der schlecht verhohlene Wunsch, mit dem eigenen Sprössling ins Bett zu steigen? Die Psychoanalyse hat bei ihren hochfliegenden Spekulationen offenbar eines glatt verpasst: den Iokaste-Komplex, der mindestens ebenso wichtig ist wie der Ödipus-Komplex. Ödipus wusste ja nicht, dass es sein Vater war, den er erschlug, und seine Mutter, die er heiratete; aber sollte Iokaste nicht doch wenigstens eine Ahnung gehabt haben, mit wem sie sich da vermählte? Jedenfalls schreibt sich die Novelle zu dieser Anzeige bei Craigslist im Grunde von selbst. Denn mit einer Eventualität hat Frau Mama doch wohl nicht gerechnet: dass ihr Sohnemann sich in das Mädchen verlieben könnte, das sie ihm zuführt – und sie sich ihrerseits in ihn.