Anklageerhebung

Nach tödlichem Mallorca-Unfall: Prozess gegen betrunkene Polizisten

Frühling 2012 auf Mallorca. Es ist die perfekte Zeit, um auf der beliebten spanischen Insel Urlaub zu machen.

Auch für Rolf (71) und Renate D. (64). Das Ehepaar aus Ludwigsburg trifft sich dort während seiner freien Tage mit Freunden zu einer Fahrradtour. Doch der 25. März endet in einer Tragödie.

Ein betrunkener spanischer Polizist fährt Renate D. an und verletzt sie dabei tödlich. Die Urlauberin wird bei dem Unfall gegen einen Baum geschleudert – doch statt Hilfe zu leisten, fährt der mallorquinische Beamte anschließend einfach weiter.

Die Ermittler machen schnell einen Inspektor der Kriminalpolizei als Fahrer ausfindig. Ein Alkoholtest ergibt einen positiven Befund: 1,2 Promille. Dem Beamten werden infolgedessen fahrlässige Tötung, Alkohol am Steuer, Fahrerflucht und unterlassene Hilfeleistung zur Last gelegt. Der Kollege wird wegen des Verdachts der unterlassenen Hilfeleistung ebenfalls festgenommen. Die Kriminalbeamten hatten nach damaligen Berichten der mallorquinischen Lokalpresse die Verabschiedung eines Kollegen gefeiert. Mit einem Zivilfahrzeug der Polizei sollen sie nach der Feier in Zickzacklinien über die Landstraße gefahren sein, wo Renate D. unterwegs war.

Nach Informationen der „Bild am Sonntag“ hat die spanische Staatsanwaltschaft jetzt Anklage gegen die Beamten erhoben. Die Anklageschrift beschreibt erstmals die genauen Umstände des tragischen Unglücks. Dabei soll der Polizeiwagen das Rad von Renate D. erfasst haben. Das Opfer wurde aus dem Sattel geworfen, flog zwei Meter hoch durch die Luft und prallte mit dem Kopf gegen einen Baum. Die betrunkenen Polizisten stoppen kurz und fahren dann weiter.

Ein Prozesstermin steht derzeit noch nicht fest. Die spanische Polizeigewerkschaft hat erklärt, die Beamten sollten bald für ihr „miserables Verhalten“ bezahlen. Dem Todesfahrer drohen bei einer Verurteilung sechs Jahre Haft.