Verbraucher

Bierkrise: Deutsche trinken 20 Millionen Kisten weniger

Deutschlands Brauereien haben massive Absatzprobleme.

„Der Jahresverlauf könnte schlechter kaum sein“, sagt Michael Huber, der Generalbevollmächtigte der Sauerländer Privatbrauerei Veltins. Monat für Monat hat die Branche kräftige Einbußen hinnehmen müssen, Huber spricht sogar von „erdrutschartigen Verlusten“. Um fast zwei Millionen Hektoliter sank der Bierverbrauch allein im ersten Halbjahr, das entspricht einem Minus von stattlichen fünf Prozent oder umgerechnet fast 20 Millionen Kisten Bier. Der Einbruch ist damit der schlimmste seit mehr als 20 Jahren.

Grund für die schwierige Lage der gut 1330 Brauereien in Deutschland ist vornehmlich das nasskalte Wetter der vergangenen Monate. „Das Wetter ist unser bester Verkäufer“, erklärt Hans-Georg Eils, der Präsident des Deutschen Brauerbundes. Durch Kälte und Regen habe es bislang praktisch kein Gastronomiegeschäft im Freien gegeben. Zwar strömen die Deutschen in der aktuellen Schönwetterphase in Scharen in die Biergärten. In den ersten beiden Juliwochen liegen die Brauereien daher deutlich zweistellig im Plus. Zu retten ist das Jahr für die Brauer trotzdem nicht mehr. „Die bisherigen Verluste sind nicht mehr aufzuholen“, sagt Veltins-Chef Huber. Der größte Teil des Sommerpotenzials sei bereits erloschen. „Eine grundsätzliche Erholung ist daher unrealistisch.“ Als Gründe für den Rückgang nannte er zum einen eine Preiserhöhung und zum anderen den hohen Anteil von Biermixgetränken im Sortiment. Die nämlich sind noch mal deutlich wetterfühliger. Tatsächlich ist der Bierkonsum seit Jahren rückläufig. 2012 gab es laut Statistiken ein Minus von 1,7 Prozent auf nur noch 96,3 Millionen Hektoliter. Damit hat jeder Bundesbürger im Schnitt 107,6 Liter Bier getrunken. Beim Pro-Kopf-Verbrauch liegen die Deutschen damit europaweit auf Platz drei, hinter Tschechien und Irland. Dennoch ist Deutschland nach wie vor der größte Biermarkt in Europa.