Prozessbeginn

Gericht lässt „Costa“-Überwachungsvideos zu

Kapitän besteht darauf, mit seinen Navigationskünsten Tausende Leben gerettet zu haben

Im Prozess gegen den Kapitän der havarierten „Costa Concordia“ hat das Gericht Überwachungsvideos von dem gekenterten Schiff als Beweismittel zugelassen. Die Aufnahmen zeigen unter anderem die Evakuierung des Passagierschiffs und die Panik an Bord nach dem Unfall, wie die Nachrichtenagentur Ansa am Donnerstag berichtete. Die Staatsanwaltschaft hatte zuvor die Nutzung der Videos in dem Prozess gefordert. Über weitere Anträge auf Beweise und Zeugen sollte das Gericht noch am Donnerstag entscheiden.

Francesco Schettino hofft indes weiter auf Strafmilderung. Sein Anwalt Donato Laino sagte, die Verteidigung habe jedoch wenig Hoffnung. Schettinos Anwälte wollen eine Einigung erwirken, nach der Schettino eine geringere Haftstrafe von drei Jahren und fünf Monaten bekäme, wenn er sich im Gegenzug für schuldig erklärt.

Die „Costa Concordia“ war im Januar 2012 mit 4200 Passagieren und Besatzungsmitgliedern an Bord vor der Insel Giglio auf ein Riff aufgelaufen und gekentert. Schettino wird vorgeworfen, das sinkende Schiff vorzeitig verlassen, die Evakuierung zu spät angeordnet und die Passagiere ihrem Schicksal überlassen zu haben. Der Antrag der Verteidigung sei aber im Wesentlichen nur eine „Formalität, da uns die Staatsanwaltschaft Nein sagen wird“, zitierte ihn die Nachrichtenagentur LaPresse am Mittwoch. Der Kapitän wies die Vorwürfe bei Prozessauftakt vor einer Woche zurück, mit einem riskanten Fahrmanöver die Havarie verursacht zu haben. Stattdessen pocht er darauf, dass seine navigatorischen Künste Tausende Leben gerettet hätten. Überdies habe die elektronische Schifffahrtskarte keinerlei Warnhinweise auf das Riff angezeigt, sagte er.

Während ihn die Öffentlichkeit als „Kapitän Feigling“ darstellt und die Anklage in dem Süditaliener den Hauptschuldigen für das nächtliche Drama sieht, sehen seine Verteidiger und auch einige Opfer-Anwälte das durchaus anders. „In der Öffentlichkeit wird Schettino als der einzige Schuldige gesehen, es gibt allerdings viele Dinge, die ermittelt werden müssen“, sagte sein Anwalt Domenico Pepe zu Prozessbeginn.

Schettino selbst bezeichnet sich als Sündenbock. Einige der Todesopfer seien „in einen Strudel (aus Wasser) gezogen“, worden, als das Kreuzfahrtschiff kenterte, hieß es vor Gericht. Die Opfer sollen ertrunken sein – einige, nachdem sie ins Wasser gesprungen oder gefallen waren.

Schettino muss sich unter anderem wegen fahrlässiger Tötung und vorzeitigen Verlassens des Schiffs vor Gericht verantworten. Schettino jedoch bestreitet weiterhin, dass er vom sinkenden Schiff geflohen sei. Insgesamt droht ihm eine Haftstrafe von bis zu 20 Jahren, falls er in allen Anklagepunkten für schuldig befunden wird. Der Prozess, der voraussichtlich bis nächstes Jahr dauern wird, wurde nach einwöchiger, streikbedingter Pause seitens der Rechtsanwälte am Mittwoch fortgesetzt.

Auch gut anderthalb Jahre nach der Katastrophe konnten die sterblichen Überreste zweier Opfer nicht geborgen werden. Schleppend geht zudem der Abtransport des Schiffswracks voran, das noch immer vor der Insel Giglio im Wasser liegt.