Justiz

„Costa Concordia“-Kapitän bietet einen Deal an

Prozess gegen Francesco Schettino fortgesetzt. Giglio strebt Zivilklage an

Im Prozess um das „Costa Concordia“-Unglück vor der italienischen Küste hat die Verteidigung des angeklagten Kapitäns Francesco Schettino einen Deal angeboten. Sein Mandant würde sich teilweise schuldig bekennen, wenn das Strafmaß im Gegenzug auf drei Jahre und fünf Monate Haft begrenzt werde, sagte Anwalt Domenico Pepe am Mittwoch vor dem zuständigen Gericht in Grosseto.

Schettino muss sich wegen mehrfacher fahrlässiger Tötung, Verursachung von Umweltschäden und Verlassens eines Schiffes in Seenot verantworten. Insgesamt droht ihm eine Haftstrafe von bis zu 20 Jahren, falls er in allen Anklagepunkten für schuldig befunden wird. Der Prozess wurde nach einwöchiger, streikbedingter Pause seitens der Rechtsanwälte am Mittwoch fortgesetzt.

Der Bürgermeister der Insel Giglio, vor der die „Costa Concordia“ sank, glaubt nicht daran, dass Schettino vor Gericht einen Vergleich erreichen wird. „Das Gericht hat einen Vergleich bisher abgelehnt“, sagte Sergio Ortelli der Berliner Morgenpost. „Das wird es auch weiter tun. Es macht seine Arbeit.“ Außerdem verweist der Bürgermeister darauf, dass auch seine Insel Klage führe, in einem Zivilprozess – weil sie Schaden erlitten habe durch das Unglück. „Ich bin der Meinung, dass auch die Kreuzfahrtgesellschaft eine Verantwortung trägt“, sagte Ortelli weiter. „Uns sind nicht nur Kosten entstanden, sondern auch unser Ruf hat gelitten. Dafür verlangen wir Schadenersatz. Wie bei einem Autounfall. Was wir wollen, ist Gerechtigkeit.“

Die „Costa Concordia“ hatte am Abend des 13. Januar 2012 bei einem riskanten Manöver einen Felsen gerammt und war nur wenige Meter vor der Toskanainsel Giglio leckgeschlagen. Schettino verließ das havarierte Schiff und kehrte trotz mehrfacher Aufforderung der Hafenbehörde nicht an Bord zurück, während die meisten der insgesamt 4200 Passagiere noch versuchten, sich in Sicherheit zu bringen. Bei dem Unglück kamen 32 Menschen ums Leben, darunter zwölf Deutsche.

Schettino als Sündenbock

Ihm wird vorgeworfen, das sinkende Schiff vorzeitig verlassen, die Evakuierung zu spät angeordnet und die Passagiere ihrem Schicksal überlassen zu haben. Der Kapitän wies die Vorwürfe bei Prozessauftakt vor einer Woche zurück, mit einem riskanten Manöver die Havarie verursacht zu haben. Stattdessen pocht er darauf, dass seine navigatorischen Künste Tausende Leben gerettet hätten. Zudem habe die Schifffahrtskarte keinerlei Warnhinweise auf das Riff angezeigt, sagte er. Schettino selbst bezeichnet sich als Sündenbock.