Verbraucher

Wie gut sind Deutschlands Raststätten?

ADAC testet bundesweit Autohöfe und Rastanlagen. Brandenburg schneidet schlecht ab

Wer im Urlaub an einer Autobahn eine Rast einlegt, kann positiv überrascht oder bitter enttäuscht werden. Denn bei Deutschlands Rastanlagen gibt es nach Einschätzung des ADAC große Unterschiede. Dort hapere es teilweise immer noch an Sicherheit und Service – in puncto Familienfreundlichkeit können viele Raststätten im Gegensatz zu Autohöfen glänzen. Dafür müssen die Kunden in Raststätten aber tiefer in die Tasche greifen, wie der am Mittwoch zur Hauptreisezeit veröffentlichte ADAC-Rastanlagentest ergab.

Wie schon bei früheren Tests bekamen die Rastanlagen bessere Noten als die Autohöfe. Zehn der 20 Raststätten schnitten mit „gut“ ab, bei den Autohöfen waren es fünf von 20. Drei Anlagen fielen mit „mangelhaft“ durch, darunter zwei Autohöfe. 22 Mal vergaben die Tester „ausreichend“, 13 Mal davon für Autohöfe.

Testsieger ist die Raststätte Börde Süd in Sachsen-Anhalt an der A2 von Hannover nach Berlin. Der ADAC beurteilt sie als gepflegte, familienfreundliche Anlage mit sauberen Sanitäranlagen. Dabei handele es sich um eine kleine Anlage, die aber alles Notwendige biete, sagte der ADAC-Chef von Sachsen-Anhalt und Niedersachsen, Reinhard Manlik. Er lobte unter anderem die Sauberkeit in den Toiletten und den Kinderspielplatz. Die Raststätten-Chefin Vera Naumann sagte: „Man muss eigentlich nur seine Arbeit mit Herz und Verstand machen.“

Im Vergleich von Raststätten und Autohöfen schnitten Rasthöfe bei Familienfreundlichkeit und Service besser ab. Dafür sind sie teurer. Beim Test-Einkauf im Raststätten-Kiosk zahlen Kunden im Schnitt 20 Prozent mehr als im Autohof-Shop. Im Gastronomie-Bereich waren die Autohöfe um zehn Prozent günstiger als die Raststätten. Ein Beispiel: Stilles Wasser kostete in einem Autohof im billigsten Fall 0,49 Euro – in einer Raststätte waren es maximal 2,49 Euro.

Hygiene ist oft mangelhaft

Um die Sauberkeit der Sanitäranlagen steht es laut der Studie auf mancher Autobahnrastanlage nicht gut. Keime auf Toilettenbrillen, Keime auf Wickelauflagen – bei elf Betrieben kamen besorgniserregende Testergebnisse zustande. Bevor Eltern ihre Kleinkinder auf einer Autobahnrastanlage wickeln, sollten sie die Wickelunterlagen daher mit einem Desinfektionsspray behandeln, empfiehlt ADAC-Sprecherin Sabine Behr. Auch Klobrillen sollten vor der Benutzung gereinigt werden. „Eltern sollten ihre Kinder davon abhalten, Klobrillen anzufassen – und generell gilt: immer gut die Hände waschen. Über die Hände übertragen sich die meisten Erreger.“

Die elf gerügten Betriebe erhielten in diesem Punkt die Noten „mangelhaft“ oder „sehr mangelhaft“. Mit sogenannten Abklatschproben ließ der ADAC nach Fäkalkeimen und Erregern von Wundinfektionen suchen, zu denen beispielsweise Salmonellen oder Rotaviren zählen. Positive Befunde bedeuteten allerdings nicht, dass Besucher der Sanitäranlagen gleich krank würden, betonte Behr. „Selbst bei erhöhter Keimzahl kommt es immer auf den Gesundheitszustand des Betroffenen an.“

Der Autohof Plötzin am westlichen Berliner Ring ist der Verlierer des ADAC-Tests: Er sei zu gefährlich für Fußgänger, wenig familien- und behindertenfreundlich. Die Anlage bei Werder/Havel (Potsdam-Mittelmark) erhielt die Note „mangelhaft“ und belegte damit den letzten Platz. Abzüge bekam der Autohof an der A10 auch für seine veralteten Sanitäranlagen und sehr hohen Essenspreise. Auch generell waren die Ergebnisse für Brandenburg eher ernüchternd: Auch die Raststätte Prignitz-Ost an der Autobahn 24 in Richtung Hamburg erhielt nur die Note „ausreichend“. Zwar waren die Preise dort günstig, die Auswahl der Speisen ist aus Sicht der Tester jedoch klein, zudem schmecke das Essen nicht. Ein Lichtblick war für den ADAC die Raststätte Michendorf-Nord an der A10, die mit „gut“ bewertet wurde. Tank & Rast begrüßte das Ergebnis. Zehn der getesteten Standorte aus dem Servicenetz hätten „gut“ erhalten. Tank & Rast stelle vier der fünf besten Rastanlagen. „Wir sind sehr zufrieden mit unseren sehr guten Bewertungen“, sagte Karl-H. Rolfes, Vorsitzender der Geschäftsführung von Tank & Rast.

Für die Autohofbetreiber sei der ADAC-Rastanlagentest die Messlatte für ihre Qualitätsanstrengungen, erläuterte der Geschäftsführer der Vereinigung Deutscher Autohöfe (VEDA), Herbert Quabach. „An den Autohöfen konnte man schon immer deutlich billiger tanken und gut und preiswert essen. Das sehen wir als ,familienfreundlich‘ und schont den Geldbeutel.“

Dafür fehlten häufig Kindergerichte und Spielplätze im Freien, kritisierten die Tester. Zudem hapert es zum Teil immer noch bei der Sicherheit. „Es fehlen häufig Fußwege entlang der Parkstreifen, damit Fußgänger sich nicht am Heck der Autos aufhalten müssen – weil das ein Unfallrisiko ist. Und es fehlen sichere Übergänge vom Parkbereich zu den Rastgebäuden“, sagte Projektleiterin Mady Christ.

Quabach hält diese ADAC-Vorgaben nicht für zielführend. „Auf keinem Supermarktparkplatz macht man Zebrasteifen.“ Auf Autohöfen, die laut ADAC eher schlecht abschneiden, gebe es eine klare Trennung zwischen Lkw und Pkw. Schwere Unfälle gebe es auf überfüllten Autobahn-Raststätten: „Der ADAC sollte hier prüfen, ob seine Bewertungskriterien zu den richtigen Ergebnissen kommen“, so Quabach.