Gesundheit

Vergewaltigung eines Kindes löst Debatte um Abtreibung aus

Die Schwangerschaft einer vom Partner ihrer Mutter vergewaltigten Elfjährigen hat in Chile eine Debatte über das absolute Abtreibungsverbot ausgelöst.

Das staatliche chilenische Fernsehen berichtete, das Kind sei in der 14. Woche schwanger. Der Freund der Mutter der Schülerin sei verhaftet worden und habe den Missbrauch des Mädchens gestanden. Ärzte hätten erklärt, das Leben der Elfjährigen sei in Gefahr, ebenso das des Fötus.

Ein Schwangerschaftsabbruch ist aber keine rechtlich zugelassene Option. Bis zum Militärputsch 1973 waren Abtreibungen aus medizinischen Gründen in Chile erlaubt. Das wurde in der Militärdiktatur unter Augusto Pinochet verboten. Die amtierende Regierung des konservativen Präsidenten Sebastián Piñera hat jede Lockerung dieses Verbots abgelehnt.

Der Bericht über die Elfjährige, die über einen Zeitraum von zwei Jahren mehrfach vergewaltigt worden sein soll, löste in Chile Entsetzen aus. Über soziale Online-Netzwerke machten Chilener ihrer Empörung über den Fall Luft, einige riefen eine Online-Kampagne ins Leben, um die Legalisierung von Abtreibung in Fällen von Vergewaltigung oder bei Risiken für die Gesundheit einer Schwangeren zu fordern.

Der chilenische Senat hat allein im vergangenen Jahr drei Gesetzesentwürfe blockiert, die das Abtreibungsverbot gelockert hätten. Nach einem der Entwürfe wäre eine Abtreibung zulässig, wenn zwei Ärzte sie wegen Gefahren für das Leben der Mutter oder aus anderen medizinischen Gründen für nötig halten. Eine andere der abgelehnten Maßnahmen hätte Abtreibung in Fällen von Vergewaltigung zugelassen. Eine Befürworterin einer derartigen Regelung ist die frühere Präsidentin Michelle Bachelet, die sich bei der Wahl im November um eine weitere Amtszeit bemüht.

Chile ist eines der konservativsten Länder Südamerikas. Als eines der letzten Staaten weltweit räumte es erst 2004 Paaren das Recht auf Scheidung ein.