Naturkatastrophe

In Erdlöchern verbrannt

Bei einem Buschfeuer im US-Staat Arizona kommen 19 Feuerwehrmänner ums Leben

Im US-Bundesstaat Arizona sind bei einem Flächenbrand am Sonntag mindestens 19 Feuerwehrleute ums Leben gekommen. Die Gruppe gehörte zu einer Eliteeinheit, die ein Buschfeuer bei Yarnell – 90 Autominuten nordwestlich der Hauptstadt Phoenix gelegen – eindämmen sollte. 18 der 19 Toten wurden von Helfern in Erdlöchern gefunden. Diese hatten sich die erfahrenen Feuerwehrmänner selbst gegraben, um sich vor den Flammen zu schützen.

Nach Behördenangaben sollen weitere acht Männer verletzt worden sein. Mehr als 250 Häuser fielen bei Yarnell den Flammen bisher zum Opfer. „Es ist die größte Tragödie in der Geschichte der Feuerwehr im Westen der USA“, sagte der Sprecher der Forstverwaltung von Arizona, Mike Reichling. 1994 waren bei einem ähnlich verheerenden Flächenbrand nahe Glenwood Springs in Colorado 14 Feuerwehrleute ums Leben gekommen.

Die Gouverneurin von Arizona, Jan Brewer, bezeichnete das Unglück als „den schwärzesten Tag in meiner Amtszeit“. Präsident Obama, der am Sonntag auf Staatsbesuch in Südafrika weilte, sprach den Angehörigen sein Beileid aus.

Die 19 Toten gehörten zu den Granite Mountain Hotshots, einer Eliteeinheit der Feuerwehr von Arizona. Sie waren zuvor bei anderen Busch- und Waldbränden in New Mexico und in Arizona im Einsatz und wurden erst am Sonntag nach Yarnell abkommandiert. Die Einsatzkräfte gelten als schnelle Einsatztruppe und sind meist die Ersten vor Ort. Sie sind zu Fuß unterwegs und marschieren oft mehrere Kilometer durch die Gefahrenzone. Ausgerüstet mit Kettensägen und Äxten, schlagen sie Schneisen, um die Flammen vor den Ortschaften aufzuhalten.

Feuerschutz-Folie nützte nichts

Nach ersten vorläufigen Untersuchungen wurden die Einsatzkräfte von den Flammen eingeschlossen. Dabei wurden ihnen offenbar auch Windböen mit Geschwindigkeiten von fast 50 Stundenkilometern zum Verhängnis. Diese treiben die Brände in der extrem trockenen Gegend immer weiter und machen sie unberechenbar. Das Feuer hat bis heute ein Gebiet von mehr als fünf Quadratkilometern zerstört.

Zusätzlich zum Graben von Erdlöchern haben die Feuerwehrmänner feuerabweisende Folie über sich gelegt – in der Hoffnung, dass die Flammen schnell über sie hinwegfegen und sie so überleben können. „Wir versuchen, so vorsichtig wie nur möglich zu sein“, sagte der Feuerwehrchef von Prescott, Dan Fraijo, der den Einsatz um Yarnell leitet. Doch manchmal sei die Situation unberechenbar. Die Gegend werde von einer extremen Dürre geplagt. „Jeder Busch, jeder Strauch oder Baum ist wie Benzin für das Feuer.“ Selbst für die erfahrensten Feuerwehrleute sei die Situation dann manchmal nicht mehr einschätzbar.

Die Brände waren bereits am Freitag offenbar durch Blitzeinschläge entfacht worden. Trotz eines Großaufgebots von 250 Einsatzkräften konnte der Brand bisher nicht aufgehalten werden. Die 645 Einwohner von Yarnell waren am Sonntagmorgen evakuiert worden. Bisher wurden keine weiteren Opfer gemeldet. „Wir haben das Feuer auf uns zukommen sehen“, erzählte das Ehepaar Chuck und Ninabill Overmyer gegenüber der Zeitung „The Arizona Republic“. „Wir haben das Notdürftigste gepackt und sind mit unseren drei Hunden im Auto geflüchtet. Wir wissen, das wir alles verloren haben.“

Die Arbeit der Einsatzkräfte wird durch extreme Dürre und ungewöhnliche Hitze im Westen der USA erschwert. Das Wetteramt meldete am Wochenende Rekordwerte in den Staaten Arizona, Nevada und Kalifornien. Bei Rettungsdiensten gingen Tausende Notrufe ein.

Extreme Temperaturen

Selbst der Flugverkehr war beeinträchtigt. Auf dem Flughafen von Phoenix mussten 18 Flüge gestrichen werden, weil die Temperatur mit 48 Grad Celsius für einige kleinere Maschinen die zulässigen Höchstwerte überschritten hatte. Das Touristenziel Death Valley in Kalifornien meldete gar 53 Grad Celsius.

An der Ostküste der USA dagegen meldeten die Wetterdienste ganz andere Extreme. Im Bundesstaat New York sorgten heftige Regenfälle am Wochenende für Überflutungen. In der Nähe von Albany wurde eine Frau offenbar in ihrem Wohnwagen von den Wassermassen weggespült. Bisher konnte sie nicht gefunden werden. Der Gouverneur von New York, Andrew Cuomo, rief in einigen Teilen des Staates den Notstand aus.