Interview

„Mit meinem Sohn übe ich Deutsch“

Die US-Schauspielerin Sandra Bullock kehrt mit „Taffe Mädels“ zurück ins Kino. Ein Gespräch über ihre Kindheit und Karriere

Sandra Bullock ist die bekannteste amerikanische Filmschauspielerin mit deutschen Wurzeln. Jetzt kommt ihr neuer Film „Taffe Mädels“ in die Kinos. Im Gespräch mit Peter Beddies erläutert die 48-Jährige ihre Leidenschaft für alte Häuser – und die reinigende Wirkung von Schimpfwörtern.

Berliner Morgenpost:

Steckt ein Plan dahinter, dass man Sie nur noch selten im Kino sieht?

Sandra Bullock:

Ein Plan? Nicht, dass ich wüsste! Aber auch meine Tage haben nur 24 Stunden. Da muss man sich entscheiden, was man mit seinem Leben machen möchte.

Und das ist nicht länger die Schauspielerei bei Ihnen?

Ich würde es so sagen wollen, dass ich zwei Berufe habe. Oder besser gesagt zwei Hobbys, weil mir meine Arbeit so viel Spaß macht, dass ich ungern Arbeit dazu sage.

Welches Hobby beschäftigt Sie neben der Schauspielerei?

Tut mir leid, aber da muss ich widersprechen. Eigentlich bin ich von Beruf Restauratorin. Und wenn mir die Zeit bleibt, dann gehe ich auch meinem zweiten Hobby, der Schauspielerei, nach.

Seit wann sind Sie als Restauratorin tätig?

Na ja, ich sage das immer nicht so gern. Aber zu Hause habe ich immer alle Sachen gemacht, die eigentlich nur Jungs vorbehalten waren.

Stimmt die Geschichte, dass Sie eigentlich als Junge geplant waren?

Das ist richtig. Die Überraschung war sehr groß, als da ein Mädchen zur Welt kam. Vielleicht hat mich mein Vater deshalb immer mitgenommen bei seinen Streifzügen. Er hat immerzu nach alten Häusern Ausschau gehalten und sie dann gekauft und umgebaut.

Und wenn man Sie heute vor die Wahl stellt, toller Film oder tolles altes Haus?

Keine Frage, ich würde das Haus nehmen. Besser gesagt, ich mache das regelmäßig. Immer, wenn Sie sich fragen, was Sandra wohl gerade macht. Ich restauriere und renoviere und saniere. Es ist so wunderschön, alten Häusern ihren Charme wiederzugeben. Zu erleben, wie eine alte Stuckdecke zum Beispiel, vielleicht verborgen für Jahrzehnte, wieder erstrahlt und dem Raum einen ganz speziellen Charakter gibt, das ist wundervoll. Außerdem kann ich bei dem Haus alles allein machen. Beim Film bin ich eine von 30 oder 300 Personen. Und niemand weiß genau, ob das Werk dann so aussieht, wie ich es mir vorgestellt habe.

Nun also sind Sie wieder mal im Kino zu sehen. Und Sie fluchen in „Taffe Mädels“, als gäbe es kein Morgen mehr.

Ehrlich gesagt war das einer der Hauptgründe für mich, diesen Film zu machen. Wissen Sie, jeder kennt das aus seinem Leben. Es hat eine gewisse reinigende Wirkung, wenn man flucht. Ich habe so oft in meinen Filmen gefragt: „Könnte ich hier nicht ein kleines Fuck einschieben?“ Ständig war die Antwort gleich: „Nein, das lassen wir lieber bleiben!“ Da tut es sehr gut, wenn man mal in einem Film fluchen kann, als hätte man das Fluchen erfunden.

Komödien wie „Taffe Mädels“ leben unter anderem auch davon, dass die Schauspieler, wie formuliere ich es am besten …

… Ich weiß genau, was Sie meinen. Sie sprechen vom Fremdschäm-Effekt, oder?

Genau. Wie schwer fällt es Ihnen, das zu spielen?

Zum einen hatte ich mit Melissa McCarthy eine Partnerin an der Seite, die für einen guten Gag alles, wirklich alles macht. Da stimmte die Chemie. Auf der anderen Seite muss man genau wissen, dass man sich als Schauspieler für solche Filme einer gewissen Demütigung aussetzen muss, damit sich der Zuschauer richtig schön amüsieren kann. Wenn man das weiß, ist alles gut.

Da wir schon über Ihre Karrieren gesprochen hatten – war Musik nie eine Option?

Meine Eltern hätten das sicher gern gesehen. Aber wenn man jeden Tag als Kind die eigene Mutter hört, die wie die Callas klang, wenn sie anfing zu singen, dann hat sich das bald erledigt. Damit möchte man sich nicht messen lassen.

Und meiden Sie heute klassische Musik, weil Sie als Kind zu viel davon gehört haben?

Nein, auf keinen Fall. Ich höre gern Mozart und Bach und all die anderen. Je nach Stimmungslage. Momentan aber bin ich der neuen CD von Daft Punk ein wenig verfallen. Kennen Sie die?

Ja. Klingt wie eine Disco-Reise in die 70er.

Stimmt. Aber dann kommt plötzlich so ein Bass, der einen völlig umhaut. Diese Musik klingt nach 70er und irgendwelchen billigen Soundtracks. Aber auch wieder aufregend und neu.

Welche Musik spielen Sie Ihrem Sohn vor?

Alles, was er hören möchte. Wir haben ein Schlagzeug und Gitarren und vieles andere mehr zu Hause. Aus ihm wird mal ein musikalisch sehr begabter Mensch. Was glauben Sie denn, warum ich ihn nach Louis Armstrong benannt habe?

Da Sie gerade Ihren Sohn erwähnten. Bringen Sie ihm Deutsch bei?

Auf jeden Fall. Louis wächst dreisprachig auf. Als Erstes hatte er ja Französisch gelernt und danach Englisch. Und ich übe mit ihm fleißig Deutsch.

Wenn Sie früher Interviews in Deutschland gegeben haben, sind Sie gern in Deutsche gewechselt. Und Ihre Familie in Deutschland meinte letztens auch, dass Sie noch gut Deutsch sprechen würden.

Das kommentiere ich jetzt nicht. Ich kann Ihnen aber gern erklären, warum ich nicht länger auf Deutsch antworte. Es stimmt, ich verstehe die Sprache noch gut. Aber wenn ich sie spreche, dann fühle ich mich auf dem Niveau einer Zwölfjährigen. Und das möchte ich weder irgendwo in der Öffentlichkeit lesen noch hören. Deshalb bleibt die deutsche Sprache für meine Familie reserviert.

Aber wofür steht Deutsch heute für Sie?

Es ist die Sprache meiner Mutter. Also werde ich sie nie ganz verlernen oder vergessen. Es ist wie ein Stück Heimat. Und außerdem erinnert sie mich immer an besonders peinliche Momente in meiner Kindheit.

Wieso?

Weil meine Mutter einen irren Spaß daran hatte, meinen amerikanischen Freunden die übelsten deutschen Schimpfworte beizubringen. Mit denen kamen sie dann immer zu mir und wollten wissen, was es heißt.

Das würden Sie sicher nie machen?!

Leider vererben sich auch nicht so edle Eigenschaften. Ich gebe es zu, dass ich auch manchmal Leute mit deutschen Schimpfworten füttere, ohne ihnen zu verraten, was es heißt. Aber fragen Sie bloß nicht, welche das sind. Das geht wirklich nur meine Freunde und mich was an!