Herzogin Catherine

Ankunft sehnsüchtig erwartet

Großbritannien bereitet sich auf das royale Baby und dritten Thronfolger vor – mit guten Wünschen und Kitsch in Rosa und Hellblau

Ein königlicher D-Day ist im Anmarsch, aber ein friedlicher: die Landung an den Gestaden der Geschichte eines royalen Babys der britischen Monarchie. Die Aufregung steigt, ehe es am 13. Juli so weit sein soll: Die Geburt des ersten Kindes des Herzogs und der Herzogin von Cambridge. Prinz William und seine Frau haben zwar darauf verzichtet, das Geschlecht des Babys im Voraus zu erfahren. Aber eines wissen sie, weiß die Welt mit absoluter Gewissheit, seit es im Oktober 2011 auf der Commonwealth-Konferenz im australischen Perth beschlossen wurde: Ob Junge oder Mädchen – das Neugeborene wird in jedem Fall in die Thronfolge rücken, als Nummer drei nach dem Großvater Prinz Charles und dem Vater William. Und als 43. Name auf dem Thron seit der normannischen Eroberung anno 1066.

Dass auch erstgeborene Mädchen künftig in den Genuss dieses Privilegs kommen, macht das historische Novum der bevorstehenden Geburt aus; daher die gesteigerte Erwartung. Als die Urgroßmutter Elizabeth 1926 geboren wurde, konnte niemand ahnen, dass die Monarchie jemals auf diese Prinzessin zulaufen würde. Männliche Erben hatte allemal Vortritt. Sofern Elizabeths Mutter nach der Erstgeborenen noch einen Jungen zur Welt gebracht oder Onkel David, der spätere Eduard VIII., geheiratet und männliche Erben bekommen hätte, wären diese vor Elizabeth an die Reihe gekommen. Erst zwei unberechenbare Vorfälle, die Abdankung des Königs 1936 und der frühe Tod von George VI., Elizabeths Vaters, im Alter von 56 Jahren, brachte die Prinzessin als Elizabeth II. an die Staatsspitze, im Alter von nur 25Jahren.

Knapp 6000 Euro für die Geburt

Solche Jugend auf dem britischen Thron werden wir aller Voraussicht nach auf Generationen hinaus nicht mehr erleben. Der Prinz von Wales, im November dieses Jahres 65, wird noch etliche Jahre warten müssen, ehe seine zeitlos rüstige Mutter ihm den Königsweg frei macht. Welche Verweildauer auf dem Thron ihm danach beschert sein wird, weiß allein die Vorsehung, aber die Windsors, gesundheitsgefährdenden Lebensweisen abhold, haben hohes Alter in ihren Genen; Charles’ Großmutter, die Queen Mother, wurde 101 Jahre alt. Prinz William wird kaum vor seinen mittleren Lebensjahren zum Zuge kommen, und das neue Baby – nun, dessen Thronfolgedatum liegt in weiter Ferne.

Dieser kurze Blick in die Zukunft ist wichtig, will man verstehen, wie sich alles auf das Neugeborene stürzen wird als den Garanten attraktiver Gegenwart. An der Staatsspitze haben wir es bis auf Weiteres mit uralten, alten und älteren Jahrgängen zu tun, sowie der Distanz, die von dort abstrahlt. Den Kontrapunkt dazu werden der Prinz oder die Prinzessin von Cambridge bilden, wie der Name lauten soll. Es ist also für jede Ebene der Neugier gesorgt: Oben das Ritual, Protokoll und Etikette, darunter die unwiderstehliche Ausstrahlung der Jugend. Die wird sich auch dank der blendenden Erscheinung von Catherine, der Herzogin von Cambridge, schlagzeilengesättigt durchsetzen. Das Herzogspaar hat sich für eine Geburt im St. Mary’s Hospital im Londoner Stadtteil Paddington entschieden, wo schon William und sein jüngerer Bruder Harry zur Welt kamen, wie auch die beiden Kinder von Prinzessin Anne, Peter und Zara Phillips. Das Privatkrankenhaus unterhält seit 1937 einen luxuriösen, „Lindo Wing“ genannten Entbindungsteil, der mehr einer Hotelsuite als einer Wöchnerinnenstation ähnelt.

Laut einschlägiger Broschüre verspricht er „das Beste an privatärztlicher gynäkologischer und Geburtshelferpflege“. Was sich auch im Preis niederschlägt: von 5000 britischen Pfund (5850 Euro) für eine „normale“ Geburt bis zum Kaiserschnitt für 7500 Pfund, Arztkosten nicht mitgerechnet. Und für jede weiteren 24 Stunden über die zwei bis drei postnatalen Aufenthaltstage hinaus eine weitere Gebühr von 1000 Pfund pro Tag. Königliche Geburten im Krankenhaus datieren erst aus jüngerer Zeit, eigentlich erst seit Prinz Williams Ankunft, 1982. Sein Vater, Prinz Charles, kam im Buckingham Palace zur Welt, Schwester Anne in Clarence House und die Queen im damaligen Londoner Quartier ihrer schottischen Großeltern, Graf und Gräfin Strathmore. Es gab Gerüchte, Kate wolle das Kind im Haus ihrer Eltern in der Grafschaft Berkshire zur Welt bringen und dort auch die ersten Wochen nach der Geburt verweilen. Der Plan wurde aber schnell verworfen, allein schon aus Sicherheitsgründen und -kosten.

Zur Landung des Babys haben die königlichen Strategen einen Ablauf vorbereitet, der an eine olympische Staffel erinnert. Von den Ärzten unterschriftlich attestiert, wird die Nachricht vor dem Eingang des Hospitals einer königlichen Limousine übergeben, die unter polizeilicher Begleitung und verfolgt von der wartenden Journalistenmeute den Buckingham Palace ansteuert. Dort wird die Nachricht auf ein mit königlichem Siegel geschmücktes Dokument übertragen und auf einer Staffelei ausgestellt, aber in kurzem Abstand – weniger als einem Meter – zu dem Gitter rings um den Palast, gut leserlich für die gaffende Öffentlichkeit; so wurde es schon bei Williams’ Geburt gehandhabt.

Prinz Charles verkauft Babyschuhe

Kurze zwei Wochen bezahlter Elternurlaub stehen dem Vater, Prinz William, laut Hausordnung des Verteidigungsministeriums zu. Dann heißt es Rückkehr zu seiner Royal-Air-Force-Basis in Nordwales, wo er Rettungshubschraubereinsätze in der Irischen See fliegt. Sein dreijähriger Dienstvertrag geht im September zu Ende; dann wird auch die Entscheidung fällig, ob er seine Berufslaubahn fortsetzen kann oder in die königlichen Verpflichtungen eintreten sollte, zur Entlastung der Queen und Prinz Charles. Nicht warten dagegen kann der kommerzielle Rummel um die Anlandung des Thronfolgers/der Thronfolgerin. Ein blühendes Geschäft, das alle Rekorde zu brechen verspricht und in das sich auch die königliche Familie con brio einklinkt. Unter den Artikeln in den königlichen Shops, hergestellt vom Royal Collection Trust, wird sich ein Unisex-Strampelanzug in lila Farbe befinden, mit aufgedruckter Krone und dem Motto „Born to rule“ – geboren, um zu herrschen. Preis: 13,50 Pfund. Alle Erlöse sollen in die Instandhaltung der königlichen Residenzen fließen.

Prinz Charles wird in dem Laden seines Anwesens in Highgrove, Gloucestershire, handgestrickte Babyschuhe anbieten, entweder im Design des Union Jack oder mit einem Traktor an der Fußspitze – auf einen möglichen männlichen Erben und dessen erwartete Vorlieben gezielt. Jedes Paar wird für 22,50 Pfund ausgelobt, beschrieben als „perfektes Geschenk“ und „Sammelstück“.

Kates Eltern steigen ebenfalls groß ein und haben bereits die Web-Seite ihres Party Pieces genannten Unternehmens zur Ausrichtung von Kinderfesten ergänzt um einen „Baby Arrival“-Zweig, bei dem man unter anderem Helium-gefüllte Ballons in Blau („It’s a boy“) und solche in Rosa („It’s a girl“) bestellen kann. Da man kleine Mädchen auch in bürgerlichen Kreisen gerne als „Prinzessin“ anspricht, haben die Middletons für den Fall, dass ihre Tochter eine solche zur Welt bringt, schon jetzt für den Sommer 2014 vorgesorgt – mit einem Lätzchen und der Aufschrift: „1st Birthday Princess“. Porzellanmanufakturen planen ihrerseits einen Riesenausstoß an Tellern und anderen Gegenständen, aber auch Bloomsbury, der „Harry Potter“-Verlag, ist an Bord mit dem Titel „Shhh! Don’t wake the Royal Baby“. Erscheinungsdatum 18. Juli, fünf Tage nach der erwarteten Geburt. Ada Grey, die Illustratorin, hat ein „gender neutral“-Baby entworfen und hofft, damit die Herzen der Käufer zu entzücken.