Unfall

ICE rast in umgestürzten Baum

600 Reisende sitzen sieben Stunden lang fest. Es gibt keine Verletzten

Ein ICE ist in Südhessen mit einem umgestürzten Baum zusammengeprallt. Die rund 600 Reisenden kamen zwar mit dem Schrecken davon, mussten aber zum Teil die halbe Nacht im Zug verbringen. Die Strecke zwischen Frankfurt und Mannheim wurde in beide Richtungen gesperrt, wie ein Sprecher der Bahn am Freitag berichtete. Dadurch kam es zu Behinderungen. Kräftige Böen hatten am späten Donnerstagabend bei Biblis den Baum umgeknickt.

Oberleitung um Zug gewickelt

Weil sich der Zug in den heruntergerissenen Oberleitungen verfangen hatte, konnten die Helfer die letzten Fahrgäste erst nach knapp sieben Stunden befreien. „Die Rettungstrupps konnten erst an den Zug heran, als wir völlig sicher waren, dass der Strom weg war“, sagte der Bahnsprecher. Dazu mussten die 15.000 Volt führenden Kabel erst geerdet werden. „Im Zug waren die Gäste am sichersten.“ Dort wurden sie mit Getränken versorgt.

Die ersten Passagiere konnten den Zug gegen ein Uhr in der Nacht verlassen und mit einem Ersatzzug weiterfahren. Die letzten Fahrgäste mussten bis kurz vor vier Uhr ausharren. Nach Angaben eines Unternehmenssprechers wurde ihnen der Fahrpreis erstattet, zusätzlich erhielten sie einen Reisegutschein über 150 Euro.

Am frühen Freitagnachmittag gab die Bahn das erste der beiden Gleise wieder frei. „Seit 13.20 Uhr fahren wir wieder“, sagte der Sprecher. Das zweite Gleis werde voraussichtlich zum Wochenende wieder befahrbar sein. Regionalzüge und S-Bahnen fuhren zunächst nur auf Teilstrecken, Fernzüge wurden umgeleitet.

Der Lokführer hatte bereits kurz vor dem Unfall Störungen an der Oberleitung bemerkt, wie ein Sprecher der Bundespolizei in Frankfurt sagte. Deshalb habe er vorsorglich die Geschwindigkeit des Zuges von 180 Stundenkilometern deutlich gedrosselt. So habe er ein größeres Unglück abwenden können. Die Bahn machte zunächst keine Angaben zur gefahrenen Geschwindigkeit. Sie will erst die Auswertung des Fahrtenschreibers abwarten. Auch den Schaden an Zug und Strecke bezifferte sie nicht.

Stürmischer Wind der Stärke 8

Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes in Offenbach war ein stürmischer Wind der Stärke 8 über Hessen hinweggezogen. Dabei wurden in den Höhenlagen Windgeschwindigkeiten von bis zu 76 Stundenkilometern gemessen. Über das Frankfurter Kreuz und den benachbarten Flughafen fegte der Wind mit 72 Kilometern pro Stunde.

In der Wetterau gingen nach Angaben der Polizeistationen in Friedberg, Bad Vilbel, Büdingen und Butzbach rund 20 Notrufe ein. Bei Friedberg, Nieder-Wöllstadt und Limeshain blockierten umgestürzte Bäume die Straßen. Auch in Frankfurt musste die Feuerwehr ausrücken, um umgefallene Bäume und Zäune zu beseitigen.