Partnerschaft

Die Prinzessin und der Banker

Die Schweden feiern die Hochzeit von Madeleine und Christopher O’Neill. Happy End einer Liebestragödie

Prinzessinnen-Torten gibt es nicht in den Konditoreien. Und auch keine Pralinenschachteln mit dem Konterfei der Verliebten. Nein. Wenn Prinzessin Madeleine, jüngste Tochter von Schwedens König Carl XVI. Gustaf und Königin Silvia, an diesem Sonnabend Hochzeit feiert, geht es in Stockholm eher schlicht zu. Die 30-Jährige, die in der Schlosskapelle Ja zu dem New Yorker Banker Christopher O’Neill sagen wird, ist nicht die Kronprinzessin. Sie ist nur die Vierte in der Thronfolge. Und sie ist auch nicht die Königin der Herzen. Madeleine gilt eher als kühl, und auch ihr Bräutigam zeichnet sich nicht gerade durch übertriebene Freundlichkeit aus. Dennoch werden Zehntausende die Straßen von Stockholm säumen, wenn das Brautpaar in der Kutsche bei vermutlich strahlendem Wetter durch die Hauptstadt fährt. Und das hat sicher auch damit zu tun, dass eine junge Frau nach überstandenem Liebeskummer endlich ihr Glück gefunden hat.

Wer hatte nicht Mitleid mit der schönen Prinzessin, als vor drei Jahren bekannt wurde, dass ihr Verlobter Jonas Bergström sie mit einer Handballspielerin betrogen hatte? Als sie auch noch erfahren musste, dass sich Bergström nach der Trennung mit Madeleines bester Freundin vergnügte? Und auch wenn Madeleine nicht der Liebling des Volkes und weit entfernt ist von dem bodenständigen Charme ihrer Schwester Victoria – dieses böse Spiel gönnt man niemandem. Und so wird sich an dem Hochzeitstag manches gute Mitgefühl bei den Schweden regen. Dass Königin Silvia den Mann an „Maddes“ Seite nach Bekanntgabe der Verlobung als perfekten Schwiegersohn bezeichnet hat, wird ein Übriges getan haben. „Er ist einfach so nett“, schwärmte sie, „und er gibt ihr die Unterstützung, die sie braucht.“

Mangel an Manieren

Dabei taten sich die Schweden lange schwer mit diesem New Yorker Yuppie. Dass er kein Prinz und kein Schwede ist, mag sie weniger gestört haben – schließlich ist auch die geliebte Silvia bürgerlicher Herkunft und zudem aus Deutschland. Was die Schweden nicht so mochten, war, dass es Chris O’Neill an Manieren mangelte: Er zeigte in New York Fotografen den Stinkefinger, weil er sich bei einem Spaziergang mit Madeleine bedrängt fühlte. Das gehört sich nicht. Und auch der Umstand, dass er den Ruf eines echten Casanovas hat, beförderte nicht gerade ein positives Image. Auch Madeleine stand immer mal wieder in der Kritik. Ein wenig zu verschwenderisch soll sie sein. Vor allem ihre Einkaufstouren durch die Madison Avenue kamen bei den Schweden nicht gut an.

Als sie noch in Stockholm lebte, bezeichnete die Presse sie gerne als „Partyprinzessin“, weil immer wieder Bilder auftauchten, die die junge Frau beim Feiern in den schicken Klubs der Hauptstadt zeigten. Dass sie wenige Tage vor ihrer Hochzeit in Stockholm als Verkehrssünderin erwischt wurde, mag bei hartnäckigen Kritikern die Vorbehalte gegen die Prinzessin bestätigt haben. Dabei werden sie ihr die Tatsache, dass sie unrechtmäßig auf der Busspur fuhr, noch eher verziehen haben als ihre angebliche Reaktion auf den Strafzettel. Madeleine soll sich nach einem Bericht der „Aftonbladet“ auf die Immunität der Königsfamilie berufen haben, die sie ihrer Ansicht nach von einer Strafverfolgung befreien würde. Doch die Polizei ließ sich nicht erweichen. Die blaublütige Verkehrssünderin müsse die 100 Kronen (150 Euro) wie jeder andere zahlen. Die Immunität gelte nur für den König.

Dass Madeleine im Gegensatz zu ihrer Schwester Victoria eher kühl erscheint, rührt sicher auch daher, dass sie kaum Interviews gibt. Ihre Scheu vor den Medien aber hat mit dem traurigen Verlauf ihrer Geschichte mit Jonas Bergström zu tun. Damals hatte die verliebte Prinzessin die Medien ein wenig zu sehr teilhaben lassen an ihrem trügerischen Glück. Sie erzählte freimütig vom Heiratsantrag, hielt einen Ring in die Kamera – und dann die Katastrophe. Nachdem der Hof 2010 offiziell die Auflösung der Verlobung bekannt gab, flüchtete sie nach New York.

Tatsächlich hat sich die junge Frau, die Kunstgeschichte, Geschichte und Ethnologie studiert hat, dort die Zeit nicht nur mit Shoppen vertrieben. Sie hat sich auch eifrig für die World Childhood Foundation eingesetzt, für jene 1999 von Königin Silvia ins Leben gerufene Organisation, die unter anderem Projekte für missbrauchte und von Gewalt betroffene Kinder unterstützt.

Vor den Feierlichkeiten bat das Brautpaar all jene, die mit einem Hochzeitsgeschenk gratulieren möchten, besser für die World Childhood Foundation zu spenden, als Vasen oder Kaffeemaschinen nach Stockholm zu schicken. Chris O’Neill, der ziemlich vermögend ist, soll die Stiftung auch mit viel Geld bedacht haben. Aber natürlich war es nicht nur seine Großzügigkeit für wohltätige Zwecke, die Madeleines Herz öffnete und ihr das Gefühl gab, dass er der Richtige ist. „Er brachte mich wieder zum Lachen“, sagte Madeleine über den Mann, der ihr gebrochenes Herz wieder heilte.

Das wird es sein, woran die Schweden denken, wenn Königs Nesthäkchen unter die Haube kommt. Der Unmut, den die Gerüchte über unappetitliche Herrenabende, die König Carl XVI. Gustaf in dubiosen Nachtklubs verbracht haben soll, hervorrief; der Klatsch über eine angebliche Geliebte – das alles könnte an diesem Hochzeitstag vergessen sein. Auch wenn es nicht die Hochzeit der Kronprinzessin ist – etliche gekrönte Häupter reisen an. Kronprinz Frederik aus Dänemark und der norwegische Thronfolger Haakon etwa.

Die Königshäuser Spaniens und der Niederlande kommen nicht. Dafür steht die schwedische Sängerin Marie Fredriksson vom Popduo Roxette auf der Gästeliste. Das passt. Madeleine und Chris werden ja künftig auch ein bürgerliches Leben führen. Chris verzichtete auf die schwedische Staatsbürgerschaft und auf einen Prinzentitel. Er will lieber in New York leben und sein eigenes Geld verdienen. Unsympathisch ist das nicht.