Diskriminierung

Schweizer Schule schließt Mädchen mit Kopftuch aus

An einer Primarschule im Schweizer Kanton St. Gallen sind zwei somalische Mädchen vom Unterricht ausgeschlossen worden, weil sie dort ein Kopftuch getragen haben.

Laut Schulordnung ist an der Schule in Heerbrugg das Tragen von Kopftüchern verboten, wie der Radio-Sender SRF berichtete. Eine Flüchtlingsfamilie aus Somalia mit sieben Kindern habe sich nicht an das Verbot gehalten.

Laut dem Bericht waren die Eltern von der Schulleitung vorgewarnt worden, dass die Schule keine Kopftücher dulde. Als die Mädchen erstmals zum Unterricht erschienen, trugen sie dennoch die Kopfbedeckung und wurden der SRF-Nachrichtensendung zufolge vom Lehrer daraufhin nach Hause geschickt.

Schulratspräsident Walter Portmann berief sich auf eine Weisung des schweizerischen Bildungsministeriums. Von Flüchtlingsorganisationen gab es Kritik: Tilla Jacomet von der Rechtsberatungsstelle für Asylsuchende des Hilfswerks Heks nannte die Entscheidung unverhältnismäßig und „katastrophal für die Integration“. Der Verein Islamischer Zentralrat sagte der somalischen Familie volle Unterstützung zu. Der Rat vertritt nach Angaben Schweizer Bundesbehörden „salafistische Werte“. Das evangelische Hilfswerk für Migranten Hek teilte mit: „Für die Integration ist es katastrophal, dass die Mädchen von der Schule ausgeschlossen sind. Regeln müssen verhältnismäßig sein und den Menschen berücksichtigen. Sonst sind die Regeln falsch.“

2011 hatte eine Schule im schweizerischen Bürglen im Kanton Thurgau zwei albanischen Schülerinnen das Tragen eines Kopftuchs verboten. Das zuständige Verwaltungsgericht hob die Entscheidung damals auf; es gebe keine gesetzliche Grundlage; zudem sei das Verbot unverhältnismäßig. Der Fall liegt nun beim Schweizer Bundesgericht. Bislang gibt es kein landesweit gültiges Gerichtsurteil, das den Umgang mit dem muslimischen Kopftuch in Schulen regelt.