Interview

„Jetzt muss ich alles versuchen! Dann war sie unten“

Briefträger Luis Miguel Costa erklärt, wie er eine Frau auffing und ihr so das Leben rettete

Ein couragierter Postbote hat in Geilenkirchen (Nordrhein-Westfalen) einer 32-jährigen Frau vermutlich das Leben gerettet: Luis Miguel Costa fing die Frau, die von einem Balkon aus dem zweiten Stock stürzte, mit seinen Armen auf. Kerstin Rottmann sprach mit dem 23-Jährigen.

Berliner Morgenpost:

Hallo, Herr Costa, wie geht es Ihnen?

Luis Costa:

Mir tut die Nase weh. Die hat bei dem Aufprall einen Stoß abbekommen und ist gebrochen.

Sonst nichts?

Nein, nichts Schlimmeres. Eine leichte Gehirnerschütterung habe ich aber auch.

Kein Wunder, Sie haben eine Frau, die mehrere Meter tief von einem Balkon stürzte, mit bloßen Armen aufgefangen.

Ich hatte sie nur ganz kurz im Arm. Wir sind dann beide umgefallen, nach hinten, ich bin mit dem Hinterkopf auf dem Boden aufgeschlagen, sie mit dem Gesicht.

Das war ganz schön mutig von Ihnen.

Ja, das sagt jeder. (lacht)

Wie haben Sie das alles erlebt? Sie waren morgens ums acht Uhr in Ihrem Bezirk in Geilenkirchen unterwegs und haben was gesehen?

Mein Freund war dabei, er hat es gesehen und gesagt: „Ey Luis, was geht denn da ab?“ Da war ich noch etwa zwölf Meter vom Haus entfernt. Dann hat die Frau angefangen zu schreien: „Hilfe, ich kann mich nicht mehr festhalten!“

Und was haben Sie getan?

Ich habe versucht, sie zu beruhigen, mein Freund hat die Polizei und den Krankenwagen mit dem Handy gerufen, ich hab noch die Adresse gesagt. Dann habe ich gesehen, dass sie sich nicht mehr halten kann. Sie ließ los, und ich habe mir gedacht, jetzt muss ich alles versuchen. Es war nicht mal eine Sekunde, dann war sie schon unten.

Sie selbst waren schon am gleichen Tag wieder zu Hause.

Ja, nach zwei Stunden im Krankenhaus war ich wieder daheim.

Was hat Ihre Familie gesagt?

Na ja, erst habe ich meine Freundin angerufen, die hat es dann ihrer Mutter gesagt, dann habe ich es meiner gesagt. Ja, das hat sich dann so rumgesprochen, und jetzt gebe ich halt Interviews.

Haben Sie heute wieder gearbeitet?

Ne, heute hatte ich frei.

Wissen Sie, wie es der Frau geht?

Sie liegt noch im Krankenhaus. Ihr Mann hat sich bei mir gemeldet, aber ich sage nicht, was er mir gesagt hat.

Und morgen geht es wieder zur Arbeit?

Genau, morgen geht es wieder los.

Und was sagt die Post zu dem Fall? „Wir danken Herrn Costa ganz herzlich. Wir werden uns erkenntlich zeigen, wie genau, können wir momentan aber noch nicht sagen.“ Und die Polizei? Warum die Frau stürzte, ist noch nicht ganz klar. Der Balkon liegt geschätzte sechs Meter hoch über der Straße. Ein Unfall sei denkbar, auch ein Suizidversuch könne nicht ausgeschlossen werden, hieß es.