Fernsehen

„18 Punkte für Angela Merkel“

ARD-Unterhaltungschef: Kanzlerin ist schuld an dem ESC-Debakel

Euphorie, rot-weiße Flaggen und Freudentränen soweit das Auge reichte. In der dänischen Hauptstadt Kopenhagen haben Tausende Fans mit Slogans wie „Sejren er vor“ („Der Sieg ist unser“) den Triumph beim Eurovision Song Contest (ESC) wie den Fußball-EM-Erfolg 1992 gefeiert. Die 20-jährige Dänin Emmelie de Forest hatte den ESC in Malmö am Sonntagfrüh mit ihrem Titel „Only Teardrops“ gewonnen. Doch in den Freudentaumel mischte sich bei den Verantwortlichen bald ein bitterer Beigeschmack. Der herrschte in Deutschland nach dem wenig glorreichen Platz 21 für Natalie Horler mit dem Titel „Glorious“ eh schon vor.

Auf den ausrichtenden Sender, Danmarks Radio (DR), kommen jetzt hohe finanzielle Belastungen zu, wie die Generaldirektorin Maria Rørbye Rønn nach der Siegesnacht durchblicken ließ. Ein Reporter ihres eigenen Senders fragte sie, ob denn nun mit vielen Wiederholungen in den Programmen zu rechnen sei, um den Aufwand für das kommende Jahr zu finanzieren, wenn Dänemark den ESC austragen wird. Man werde sich „allergrößte Mühe geben“, so Rønn, damit die eigenen Zuschauer nicht die Zeche zahlen müssen. Der Sender DR hatte die auch in Dänemark angekommene Finanzkrise jüngst zu spüren bekommen. Entlassungen waren die Folge. Die Erinnerungen an die letzte ESC-Finalrunde, die Dänemark austrug, sind auch gemischt. ARD-Reporter Peter Urban erinnerte schon in der Nacht zum Sonntag nach Emmelie de Forests Sieg mit Schaudern an die Veranstaltung im Jahr 2001 im 38.000 Zuschauer fassenden Parken-Stadion.

Für einen Patzer aus deutscher Sicht sorgte ARD-Funktionär Thomas Schreiber, der die lediglich 18 Punkte für Cascada indirekt der Euro-Rettungspolitik von Angela Merkel in die Schuhe schob. „Ich will nicht sagen ,18 Punkte für Angela Merkel‘. Aber man muss eben auch sehen, da stand nicht nur Cascada, sondern da stand auch Deutschland auf der Bühne“, sagte Schreiber.

Und auch Lena musste Häme einstecken: Die 21-Jährige durfte als Jurypräsidentin die deutsche Punktewertung verkünden – und leistete sich einen Versprecher. „Zehn Punkte gehen nach Norwegen“, sagte sie zunächst noch fröhlich auf Englisch. Sofort musste sie sich dann aber korrigieren: „Zehn Punkte gehen nach Dänemark!“ Sie hielt sich verschämt den Regenschirm vor das Gesicht. „Es tut mir so leid. Oh, mein Gott“, sagte sie zweimal. Und: „Ich bin so nervös“. Doch da war der Schaden schon geschehen. Im Internet mischten sich augenzwinkernde mit hämischen Kommentaren zu dem Fauxpas: „Lena. Norwegen oder Dänemark, Hauptsache Schweden“, schrieb die NDR-Satiresendung „Extra 3“ auf Twitter. Der ZDF-Redakteur Werner Martin Doyé meinte ironisch: „Nicht nur, dass wir offenbar keine Punkte kriegen, wir können auch keine Punkte vergeben.“ Ein Nutzer fragte: „Hat die Kanzlerin Lena schon ihr vollstes Vertrauen ausgesprochen?“