Frauen bei der Feuerwehr

„Es geht ganz schön raubeinig zu“

Manuela Wedel ist eine von neun Feuerwehrfrauen in München. In ihrem Buch berichtet sie von ihren Erfahrungen in der Männerdomäne

Manuela Wedel ist eine von den wenigen Frauen in deutschen Feuerwehrstationen. In ihrem Buch „Wo brennt’s denn?“, das am Montag in den Handel kommt, erzählt die 33-Jährige, die gelernte Floristin und Rettungssanitäterin ist, vom harten Eingangstest der Berufsfeuerwehr und von kuriosen Einsätzen und ihren Wünschen für die Zukunft. Brenda Strohmaier hat mit Manuela Wedel gesprochen.

Berliner Morgenpost:

Als Sie vor zehn Jahren Ihren Dienst in einer Feuerwache in München antraten, waren Sie die erste Feuerwehrfrau in Ihrer Abteilung. Wie war denn der Start?

Manuela Wedel:

Ich war sehr aufgeregt, und die Kollegen waren das mindestens genauso, wie sie mir später erzählten. Das war ja ein eingeschworener Haufen. Man fürchtete, eine Frau, würde nur Unruhe reinbringen und man dürfte keine schlüpfrigen Witze mehr erzählen. Ein Kollege hatte vorher sogar ans Rathaus geschrieben und einen Männerbeauftragten gefordert. Er hatte Angst, ich könne irgendwann behaupten, er habe mich beim Einsatz sexuell belästigt.

Haben sich die Männer inzwischen an Sie gewöhnt?

Schon. Mein ehemaliger Wachabteilungsleiter kam nach seiner Pension zu mir, ein kerniger Typ vom alten Schlag, und der sagt an seinem letzten Tag: Du, ich war einer von denen, die sich nicht vorstellen konnten, mit einer Frau zusammenzuarbeiten, aber du hast mich überzeugt.

Wie denn?

Man steht schon unter Beobachtung als eine von zwei Frauen unter insgesamt rund 150 Feuerwehrleuten auf der Wache. Ein Kollege fragte mich gleich zu Dienstbeginn, ob ich denn überhaupt jemand raustragen kann.

Konnten Sie?

Natürlich. Ich bin 1,85 Meter groß, aber auch zierlichere Kolleginnen müssen genau das gleiche leisten können wie die Männer. Wir absolvieren den gleichen harten Einstellungstest und die gleiche Grundausbildung. Wenn’s brennt, kann man nicht sagen: Tut uns Leid, heut haben wir leider die Frau dabei, rufen Sie morgen wieder an. Allein die Schutzausrüstung, die man beim Löschen tragen muss, wiegt 25 Kilo. Und in der Grundausbildung üben wir mit 80 Kilogramm schweren Puppen.

Mussten Sie für den Eignungstest härter trainieren als die Männer?

Sagen wir so: Zum Sporttest kamen manche Männer völlig unvorbereitet und haben ihn bestanden. Ich musste zwei Jahre dafür trainieren und habe den 1000 Meterlauf gerade mal so in der vorgegebenen Zeit geschafft. Außerdem sind Bank drücken und Gewichtheben nicht die klassischen Sportarten, für die man sich als Frau begeistert. Aber aus Erfahrung weiß ich, dass viele der Supersportler beim praktischen und schriftlichen Teil Probleme haben. Die hatte ich nicht.

Und was sagen die Kollegen zu dem Buch?

Die sind schon gespannt, ob sie drin vorkommen. Und manche sagen, sie hätten längst auch ein Buch schreiben sollen über ihre Einsätze. Da gibt es ja nichts, was es nicht gibt.

Im Klappentext schreiben Sie auch von großen Jungs, die irgendwo stecken bleiben. Darunter stellt man sich noch anderes vor...

Ach ja, vor einem halben Jahr hatte ich wieder so einen, das ist im Nachhinein ganz heiter. Da bekamen wir einen Notruf aus der Klinik. Wir haben an der Feuerwache 1 ein spezielles feinmechanisches Werkzeug. Wir rückten also aus und fanden in der Notaufnahme einen entspannten Herrn um die 50. Über seiner Leibesmitte lagen ein weißes Laken und Kühlakkus.

Penisring?

Genau. Aus Titan. So ein Ring soll den Blutrückfluss verhindern, und manchmal schwillt der Penis dann so gut an, dass er danach nicht mehr abschwillt. Der Herr hatte einen tollen Nachmittag gehabt, nun war es abends um zehn und er wollte das Ding wieder loswerden. Wir konnten ihn mit unserem speziellen kleinen Trennschleifer helfen und einem Federstahlblättchen, das man unter den Ring packt.

Haben Sie Ihre Kollegen verändert?

Ich finde, es geht immer noch ganz schön raubeinig zu, aber ältere Kollegen sagen, der Ton habe sich schon verändert, und deshalb täten Frauen gut. Die Feuerwehr kann allerdings noch einiges dafür tun, dass Frauen sich wohler fühlen.

Was denn?

Ich muss nach zehn Jahren immer noch in Männerhosen ausrücken. Damit haben Frauen ein Hintern wie ein Pferd, und der Schnitt ist total unbequem. Der erste Stewart bei der Lufthansa ist doch bestimmt auch nicht im Rock geflogen.