Gewalt

Amoklauf mit Spitzhacke

Zweieinhalb Stunden lang attackierte ein Mann Passanten in Mailand

Ein mit einer Spitzhacke bewaffneter Mann hat in Mailand mehrere Passanten angegriffen und einen von ihnen getötet. Vier weitere Menschen wurden bei dem Zwischenfall am Sonnabendmorgen verletzt, wie die Behörden mitteilten. Zwei von ihnen befänden sich in kritischem Zustand. Der 21-jährige Angreifer, ein illegal in Italien lebender Einwanderer aus Westafrika, wurde laut Polizei festgenommen.

Augenzeugen berichteten dem Fernsehsender Sky TG24, der Mann sei durch die Straßen gerannt und habe mit einer Hacke auf Passanten eingeschlagen. Die meisten der Opfer seien am Kopf getroffen worden. In den Straßen bildeten sich Blutlachen. Bei dem tödlich verletzten Opfer handelt es sich laut Polizei um einen 40 Jahre alten Mann, der auf dem Weg in ein Café war. Er sei am Kopf und im Bauchbereich verletzt worden. Unter den Verletzten waren den Angaben zufolge auch ein junger Mann, der seinem Vater dabei geholfen hatte, Zeitungen an Kioske zu liefern, sowie ein Mann, der mit seinem Hund spazieren war. Mehr als eineinhalb Stunden lief der Täter durch die Straßen in dem Wohnviertel im Norden Mailands und attackierte wahllos Passanten. Zunächst verletzte er mit einer Eisenstange zwei Männer leicht, dann fand er auf einer Baustelle eine Spitzhacke. Das Tatmotiv war zunächst unklar. Der Angreifer hieb offenbar willkürlich auf seine Opfer ein. Der Täter war laut Polizei vorbestraft. Demnach weigerte er sich zunächst, mit den Behörden zu kooperieren. Der Mann trug keine Ausweispapiere bei sich und wurde anhand von Fingerabdrücken identifiziert. Er hielt sich Polizeiangaben zufolge illegal in Italien auf. Er war in der Vergangenheit wegen Diebstahls, Raubs, Sachbeschädigung und Widerstand gegen die Behörden festgenommen worden. Italienische Medien berichteten, es handle sich um einen Asylbewerber aus Ghana, der möglicherweise aus Frust über seine aussichtslose Situation gehandelt habe. Der Mann selbst äußerte sich nicht. Ihm droht nun eine Anklage wegen Mordes und mehrfachen versuchten Mordes.

Kritik von Rechtspopulisten

Nach der Tat ist in Italien die Debatte über den Umgang mit Einwanderern neu entbrannt. Zuletzt hatte sich die neue Integrationsministerin Cécile Kyenge, Italiens erstes dunkelhäutiges Kabinettsmitglied, dafür ausgesprochen, Kindern von Einwanderern den Weg zur italienischen Staatsbürgerschaft zu vereinfachen. Kyenge stammt aus dem Kongo.

Mailand ist die Hauptstadt der italienischen Region Lombardei. Die Gegend gilt als Machtbasis der rechtspopulistischen Partei Liga Nord. Ihre Anhänger nutzen den Vorfall vom Sonnabend dazu, um Forderungen nach einem schärferen Vorgehen gegen Einwanderer zu bekräftigen. Matteo Salvini von der Liga Nord nannte die Angriffe das Werk eines „Geistesgestörten“. Er kritisierte zudem den seiner Ansicht nach weichen Kurs der Integrationsministerin Kyenge in Sachen Einwanderungspolitik.