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„Ich brauchte Lebensveränderung“

Marc Bator hätte sich gern bei seiner letzten „Tagesschau“ verabschiedet. Neustart bei Sat.1

Von der wichtigsten Nachrichtensendung im deutschen Fernsehen zur privaten Konkurrenz: „Tagesschau“-Sprecher Marc Bator, 40, wird ab dem 10. Mai die Nachrichten bei Sat.1 lesen. Auch jenseits der Sendung will der gebürtige Hannoveraner demonstrieren: „Ich kann auch anders – und zwar locker“, wie Antje Hildebrandt erfuhr.

Berliner Morgenpost:

Herr Bator, trugen Sie bei Ihrer letzten „Tagesschau“ Schwarz?

Marc Bator:

Nein, es war ein dunkelblauer Anzug. Vielleicht hat der Produktionsingenieur der Sendung an diesem Tag schwarz gesehen und die Farbe deshalb mehr ins Schwarze gedreht.

Hatte der Abschied etwas von Beerdigung?

Gar nicht. Es war zwar die wahrscheinlich letzte „Tagesschau“ meines Lebens. Ich finde daran aber nichts Schlimmes. Es wird nur so viel in einen Senderwechsel hineininterpretiert, weil es die „Tagesschau“ ist.

Geben Sie es zu, nach 13 Jahren „Tagesschau“ ist es Ihnen schon kalt den Rücken heruntergelaufen, als Sie zum letzten Mal die Fanfare hörten.

Nö, gebe ich nicht zu. Es war eine besondere „Tagesschau“, und es war ein besonderes Gefühl. Ich war ein wenig aufgeregt, hab’s aber auch genossen.

Dabei sollen Sie erst eine Minute vor der Sendung erfahren haben, dass Sie sich nicht persönlich verabschieden dürfen. Was hätten Sie den Zuschauern denn gerne gesagt?

Meine 13 Jahre bei der „Tagesschau“ gehen zu Ende. Vielen Dank für alles. Wir sehen uns wieder.

Und zwar bei Sat.1. Warum dort?

So ein Angebot bekommt man nicht jede Woche. Ich war 27, als ich zur „Tagesschau“ kam. Ich wollte mich nicht mit der Vorstellung anfreunden, dort bis zur Rente zu bleiben.

Für N3 haben Sie noch nebenbei ein Reise- und und für den WDR ein Rechtsmagazin moderiert.

Das ist richtig. Das Reisemagazin „Nordtour“ moderiere sich seit sieben Jahren, das würde irgendwann mal endlich sein. Und das Magazin „Mein gutes Recht“ ist eingestellt worden. Mir ging es in erster Linie um Lebensveränderung.

Schluss mit den familienunfreundlichen „Krankenschwester“-Schichten?

Das wäre kein Argument. Aber schauen Sie: Ich bin jetzt 40 Jahre alt. Sie können mit 50 im Fernsehen nur noch schwer wechseln. Wenn Sie eine Sendung wie die „Tagesschau“ im Rücken haben, ist es noch schwerer, weil Sie mit Gesicht und Stimme mit der Sendung verbunden sind.

Sat.1 steht nicht für journalistische Kernkompetenz. Tauschen Sie nicht einen Mercedes gegen einen Toyota?

Mit solchen Vergleichen tue ich mich schwer. Im Schnitt bin ich bei Sat.1 16 bis 17 Mal im Monat auf dem Schirm. Bei der ARD war ich das nur viermal um 20 Uhr. Von daher ist das kein schlechter Tausch. Die Nachrichten bei Sat.1 sind ein hoch respektables Produkt. Sie werden auch nach journalistischen Grundsätzen und Relevanz produziert, sind allerdings zugeschnitten auf die Anforderungen eines kommerziellen Fernsehprogramms. Das heißt, sie richten sich auch ein wenig nach der Frage: Welche Themen bewegen die Zuschauer in ihrem Herzen?

Hat die „Tagesschau“ hier Nachholbedarf?

Grundsätzlich funktioniert die „Tagesschau“ so, wie sie ist. Zu den Nachrichten gehört eine journalistische Distanz. Aber um mehr Zuschauernähe kommen wir nicht herum. Bei Sat.1 ist ein Bericht über einen Rekordsommer im Zweifelsfall wichtiger als parteipolitisches Gezänke zwischen Rot-Grün und Schwarz-Gelb.

Sie haben 50 Krawatten im Schrank. Ist da für jede Gelegenheit die passende dabei?

Ich werde mit Sicherheit keine Goofy-Krawatte bei Sat.1 tragen, falls Sie das meinen.

Aber Vorgaben gibt Ihnen der Sender keine?

Nur die, dass das Outfit zum Setdesign passen muss. Das ist bei Sat.1 nicht anders als in der ARD. Man hat als Moderator aber noch genug Spielraum für eine persönliche Note.

Was ist mit Ihrer Hornbrille? Würde die besser zur neuen Zielgruppe passen?

Diese Brille hat stark polarisiert. 2010 gab es viele Schreiben von Zuschauern, die damit nichts anfangen konnten.

Bei Sat.1 wollen Sie jetzt demonstrieren, dass der Bator auch anders kann, nämlich locker. Ist das eine Drohung oder ein Versprechen?

Weder noch. Das ist Tatsache. Jetzt habe ich neben der Nachrichtensendung mehr Möglichkeiten, mehr von meiner Persönlichkeit zu zeigen. Mein Weg wird irgendwo an der Schnittstelle zwischen Information und Unterhaltung verlaufen. Ideen oder Formate gibt es aber noch nicht.

Stimmt es, dass Sie bei der ARD mal Interesse für „Verstehen Sie Spaß“ bekundet haben?

Ja, die Nachfolge von Frank Elstner hat dann aber Guido Cantz angetreten.