Raumfahrt

Armstrongs Herzschlag unterm Hammer

Erinnerungsstücke der Apollo-Astronauten werden in den USA versteigert

Einmal ein Raumschiff selbst lenken? Und dann auch noch das berühmteste aller Zeiten, die Kommandokapsel, in der Neil Armstrong unterwegs war, der erste Mensch auf dem Mond? Im Spiel und mit viel Fantasie wird das jetzt demjenigen möglich sein, der am meisten für den Steuerknauf jenes „Columbia“-Moduls hinzublättern bereit ist.

Der Joystick gehört zu den insgesamt 800 Devotionalien von Apollo- und anderen Nasa-Missionen, die vom 16. bis 23.Mai in Amherst im US-Bundesstaat New Hampshire versteigert werden. Für den Plastikgriff allein erwartet das Auktionshaus RR ein Gebot von 150.000 bis 200.000 Dollar.

Unter den Hammer kommt dabei unterdessen auch das Elektrokardiogramm, das Armstrongs Herzschlag in dem Moment dokumentiert, als er die Leiter zur Mondoberfläche hinabstieg. Verschwörungstheoretiker, die schon immer der Meinung waren, dass alle Mondlandungen lediglich in Filmstudios stattfanden, könnten versucht sein, den Pulsschlag in einen Lügendetektor einzugeben.

Es wäre dann allerdings ein teurer Spaß: Das letzte Mal, im Jahr 2004, wechselte das Stück Papier für 12.500 Dollar den Besitzer. Sowie ein wenig Erfolg versprechendes Unterfangen: Denn Armstrong, der coole Raumfahrer, hatte im entscheidenden Moment seines Lebens, als er seinen berühmten Satz „Das ist ein kleiner Schritt für den Menschen, aber ein riesiger Sprung für die Menschheit“ aussprach, einen völlig normalen Puls. Im Gegensatz zu Buzz Aldrin, der ihm wenig später nachfolgte, doch dessen EKG ist nicht im Angebot ...

Erinnerungsfotos, Münzen, Gravitationsmesser und andere Gerätschaften sind jetzt bei RR im Angebot. Das meiste davon war tatsächlich auf dem Mond. Die wenigsten dieser „außerirdischen“ Erinnerungsstücke aber sind noch im Besitz der Astronauten.

Aus finanziellen Unpässlichkeiten der Raumfahrer oder anderen Gründen fand vieles davon vor Jahrzehnten schon den Weg auf den Raritätenmarkt. Mit Flugplänen, Raumanzügen, Schaltpulten, Filmkameras, Plaketten und vielem mehr vergoldeten sie sich auf ihre alten Tage die Heldentaten ihrer Jugend.

Die Nasa sah dies gar nicht gern, waren doch die Besitzverhältnisse alles andere als geklärt. Die US-Raumfahrtbehörde reagierte mal mit Stirnrunzeln, mal mit der Aufforderung, die Geschäfte rückgängig zu machen.

Erst im September 2012 verabschiedete der US-Kongress ein Gesetz, nach dem die Astronauten ab sofort als die rechtmäßigen Besitzer ihrer damaligen persönlichen Ausrüstung gelten, sogar derjenigen Teile der Raumkapseln, die sie sich als Souvenir aufgehoben hatten. Auch dürfen sie damit uneingeschränkt handeln.