Justiz

Missbrauchsvorwurf gegen britischen Abgeordneten

Ein britischer Parlamentarier ist wegen des Verdachts der Vergewaltigung und sexuellen Belästigung von zwei Männern vorübergehend festgenommen worden.

Die Polizei vernahm den stellvertretenden Parlamentspräsidenten Nigel Evans am Wochenende zu dem Vorwurf, zwei junge Männer sexuell missbraucht zu haben. Der 55-Jährige wies die Vorwürfe als „vollständig falsch“ zurück.

Nach Angaben der Polizei geht es um die mutmaßliche Vergewaltigung eines Mannes und die sexuelle Belästigung eines zweiten Mannes in Evans’ Wohnort Pendleton im Nordwesten Englands. Die Taten sollen sich zwischen 2009 und März dieses Jahres ereignet haben, das Alter der erwachsenen Opfer wurde mit unter 30 Jahren angegeben. Es sei ihm völlig unverständlich, wieso die beiden Männer, „die ich bis gestern als meine Freunde betrachtet habe“, ihre Vorwürfe erhoben hätten, sagte Evans am Sonntag. Er dankte der Polizei für ihren „sensiblen“ Umgang mit dem Fall und seinen Kollegen und Freunden für ihre Unterstützung. Evans’ Anwalt betonte, sein Mandant wolle weder als stellvertretender Parlamentspräsident noch als Abgeordneter zurücktreten.

Der Waliser Evans hatte sich 2010, acht Jahre nach seiner Wahl ins Parlament, öffentlich zu seiner Homosexualität bekannt. Er sei es müde, „eine Lüge zu leben“, sagte er damals. Von 1999 bis 2001 war der über die Parteigrenzen hinweg angesehene Politiker einer der stellvertretenden Parteivorsitzenden der konservativen Tories. Parteikollegen reagierten schockiert auf die Festnahme. Außenminister William Hague betonte, Evans sei „ein sehr beliebtes und hoch angesehenes Mitglied des Parlaments“.