Unglück

Rettungskräfte orten Überlebende vier Tage nach Hauseinsturz

Mehr als 100 Stunden nach Einsturz eines Fabrikgebäudes in Bangladesch haben Rettungskräfte am Sonntag eine Überlebende in den Trümmern geortet.

„Wir können ihre Laute hören“, sagte ein Feuerwehrmann. Die Frau habe sich als Sakhina Begum identifiziert. Drei weitere Verschüttete seien nicht mehr bei vollem Bewusstsein. Rettungsmannschaften orteten in den Trümmern aber neun weitere Überlebende.

Sie versuchten mit Schneide- und Bohrwerkzeugen, zu den Menschen vorzudringen. Gegen den Leichengeruch an der Unglücksstelle setzten sie Lufterfrischer ein. Zwei Ärzte hielten sich in der Nähe für den Fall bereit, dass der gefundenen Frau Gliedmaßen amputiert werden müssen.

Derartige Eingriffe hat es am Unglücksort seit dem Einsturz des achtstöckigen Gebäudes am Mittwochmorgen immer wieder gegeben. Manchmal sei eine Amputation die einzige Möglichkeit, Überlebende aus den Trümmern zu befreien, sagte der Chirurg Arif Hossain. „Und statt einer orthopädischen Säge muss manchmal eine normale Säge benutzt werden“, berichtete er. Am vierten Tag nach dem Unglück schwanden die Hoffnungen, weitere Überlebende unter den Überresten des Gebäudes zu finden. Bei dem Einsturz starben mindestens 375 Menschen, etwa 2500 wurden lebend gerettet.

Eine offizielle Zahl der Vermissten gibt es nicht. Zahlreiche Angehörige möglicher Verschütteter sind noch immer an der Unglücksstelle versammelt und hoffen auf Nachricht. Am Sonntag löste die Nachricht von der Festnahme des Besitzers des Fabrikgebäudes, Sohel Rana, in der Menge wütende Schreie aus: „Hängt Rana, hängt den Mörder“, riefen die Menschen. In der Hauptstadt wurde Rana später öffentlich vorgeführt.