Naturkatastrophe

Schweres Erdbeben erschüttert China

Mindestens 160 Menschen sterben, mehr als 6700 werden verletzt

Fünf Jahre nach der verheerenden Erdbebenkatastrophe ist die chinesische Provinz Sichuan im Südwesten des Landes erneut von einem schweren Beben erschüttert worden. Behördenangaben zufolge kamen dabei am Sonnabend mindestens 160 Menschen ums Leben. Mehr als 6700 wurden verletzt, 330 davon schwer. 19 Menschen galten als vermisst. Die meisten Opfer gab es im Epizentrum im Kreis Lushan um die Stadt Ya’an. Eine örtliche Behörde teilte mit, in der Gegend seien knapp 10.000 Häuser beschädigt worden. Nach Angaben der Behörden fiel das Stromnetz aus und Telefonverbindungen waren teilweise unterbrochen.

Das Beben ereignete sich gegen acht Uhr morgens in etwa 13 Kilometern Tiefe. Nach Angaben des chinesischen Seismologischen Amtes betrug die Stärke 7,0, der Geologische Dienst der USA sprach von einer Stärke von 6,6. Mindestens 35 Nachbeben erschütterten die Gegend. In mehreren Gemeinden habe es schwere Schäden gegeben, teilten die Behörden mit. Gebäude stürzten ein, Ziegel vielen von Dächern und Menschen rannten aus ihren Häusern auf die Straßen. Auf Aufnahmen des Fernsehsenders CCTV war zu sehen, wie Verletzte auf einem Platz vor dem Krankenhaus in Lushan medizinisch versorgt wurden. Das Beben war auch in der 115 Kilometer entfernten Provinzhauptstadt Chengdu zu spüren, wo staatlichen Medienberichten zufolge der Flughafen vorübergehend geschlossen wurde. Auf Luftaufnahmen des chinesischen Militärs war zu sehen, wie von Häusern teilweise nur noch Ruinen übrig blieben. Ganze Dörfer wurden in Trümmerhaufen verwandelt.

Die Behörden in Ya’an teilten mit, mehr als 2000 Rettungskräfte seien in das Katastrophengebiet entsandt worden. Der chinesische Ministerpräsident Li Keqiang reiste nach Ya’an, um von dort aus den Rettungseinsatz zu koordinieren. Er und Staatspräsident Xi Jinping hätten die Behörden angewiesen, die Rettung von Menschen im Erdbebengebiet zur obersten Priorität zu machen, meldete die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua. Der deutsche Außenminister Guido Westerwelle (FDP) zeigte sich betroffen von dem Unglück in China: „Unser Mitgefühl ist mit den vielen Opfern und ihren Angehörigen. Deutschland steht bereit, Hilfe zu leisten, falls die chinesischen Behörden das wünschen sollten“, sagte er laut einer Mitteilung. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sprach Ministerpräsident Li Keqiang am Sonnabend ihre Anteilnahme aus und bot Hilfe bei der Suche nach Vermissten und der Versorgung der Notleidenden an.

„Das Beben fühlte sich viel stärker an als das vor fünf Jahren“, sagte Zhao Zheng, ein Bewohner von Ya’an. Die Provinz Sichuan war im Mai 2008 von einem Erdbeben der Stärke 7,9 heimgesucht worden, bei dem wohl mehr als 90.000 Menschen ums Leben kamen. China zählt zu den am meisten von Erdbeben gefährdeten Ländern. Zur schwersten Katastrophe nach dem Zweiten Weltkrieg kam es im Juli 1976, als in Tangshan im Nordosten des Landes mindestens 255.000 Tote zu beklagen waren.