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Neun Millionen Dollar für ein Ja

Späte Rache? Sean Parker sticht Facebook-Gründer mit Hochzeit aus

Vielleicht sollen die neun Millionen Dollar ein Zeichen seiner großen Liebe sein, nach dem Motto „Für dich, mein Schatz, ist mir nichts zu teuer“. Das wäre die romantische Deutung. Vielleicht investiert Facebook-Berater und Napster-Gründer Sean Parker aber auch deshalb ein kleines Vermögen, wenn er am 1. Juni seine Verlobte, die New Yorker Songwriterin Alexandra Lenas, in einer Märchenwelt ehelicht, um seinem Entschluss für ewige Zweisamkeit die Tragweite und Ernsthaftigkeit zu nehmen. Das wäre die psychologische Deutung. Parker lässt eine Parallelwelt entstehen in einer ruinenartigen Kulisse mit Wasserfällen, Brücken und Landhäuschen. Seine Gäste tragen Elben- und Hobbitkleider, die Ngila Dickson, Kostümdesigner von „Herr der Ringe“, entworfen hat.

Vielleicht hat die Millioneninvestition für ein „Ja“ aber auch brancheninterne Gründe. Parker, 33 Jahre alt, scheint schon jetzt alles erreicht zu haben, neben dem Aufbau seiner Musiktauschbörse Napster investierte er 15 Millionen in den erfolgreichen Musik-Streaming-Dienst Spotify. Als der schüchterne Student Mark Zuckerberg 2004 begann, an seinem Freundschaftsdienst Facebook zu tüfteln, nahm der erfahrene Parker ihn bei der Hand und wies ihn in die Branche ein. Zum Dank erhielt Parker sieben Prozent der Firmenanteile. Dann kam es zum Bruch: Als Parker wegen Kokainbesitzes verhaftet wurde, zwang Zuckerberg ihn, Facebook zu verlassen. Kam der Drogenmissbrauch Zuckerberg gerade recht, um den Miteigentümer aus der Firma zu drängen? Der Facebook-Film „The Social Network“, in dem Justin Timberlake Parker verkörpert, lässt solche Schlüsse zu. Zuckerberg gilt schon seit der Gründungsgeschichte von Facebook als skrupelloser Unternehmer, weil er den Winklevoss-Zwillingen die Idee für den sozialen Dienst geklaut haben soll.

Zuckerberg heiratete 2012 seine Freundin Priscilla Chan im Garten seines Hauses in Kalifornien mit 100 Gästen, das Menü brachte der lokale Lieferservice vorbei. Die Hochzeit des milliardenschweren Unternehmers sollte ein Symbol der Bescheidenheit und Bodenständigkeit sein. Zuckerberg inszenierte sich als „All American Boy“ von nebenan, eine Pflegespülung für seinen brüchigen Ruf.

Parker setzt sich mit seiner gigantischen Hochzeitsfeier im Hobbitland nun deutlich von seinem früheren Partner ab. „Sieh her, ich bin ein millionenschwerer Selfmademan, auch ohne dich“ scheint Parker Zuckerberg entgegenzurufen. Er wirft mit Geld um sich, einfach nur, weil er es kann. Es ist die späte Rache eines wütenden Feindes. Sehr männlich. Vorausgesetzt Parker tritt nicht mit spitzen Ohren und nackten Füßen vor den Altar und lässt den Ring, statt ihm seinem Schatz an den Finger zu stecken, in einen Abgrund fallen.