Dreharbeiten

Warten auf Clooney

Ganz aus dem Fachwerkhäuschen: Bad Grund im Oberharz wartet auf den US-Star, der hier für den Film „The Monuments Men“ drehen wird

Die gute Nachricht vorweg: Er war da. In Bad Grund im Oberharz! Dafür gibt es Beweise. In Bad Grund ist man aus dem Häuschen. Bereits seit Wochen dreht George Clooney schon in Berlin für den Hollywood-Film „The Monuments Men“. Das ist eine Geschichte um Kunstwerke, die von Nazis gestohlen wurden. In der Agonie des Deutschen Reiches drohen sie zerstört zu werden. Aber Clooney wird’s schon richten. Die Hauptstädter haben sich schon fast an seinen Anblick und den seiner Kollegen Matt Damon, Bill Murray und Cate Blanchett gewöhnt. Drehen die Mimen doch an so exponierten Orten wie der Neuen Wache.

Hollywood-Größen in Berlin – fast schon alltäglich. Aber Bad Grund? Die Wolken hängen fest zwischen den Bergen im Harz, und auch der Wind mag sie nicht befreien. Es ist grau und kalt und eng. Bad Grund liegt am Westrand des Oberharzes. Der Ort ist eine alte Bergarbeiterstadt, hier wurde Erz geschürft. Als sich der Abbau nicht mehr lohnte, entdeckte man die Landschaft, die Wälder und den Tourismus als Lebensgrundlage. Doch irgendwann versiegte auch diese Quelle, zurück blieb eine Geisterstadt mit Bergbaumuseum, Uhrenmuseum und Norddeutschlands größter Tropfsteinhöhle. Der Lack ist ab.

Zum Mittagessen geht man hier in den Gasthof „Altes Backhaus“, wo solide Harzer Küche auf der Speisekarte steht und Toast Hawaii. Hinter der Theke aus Eiche rustikal steht seit 20 Jahren Ulrich Linse. Der Mann mit dem schütteren Haar ist der Eigentümer. „Linse, wie die Erbse“, sagt er, mittlerweile geübt im Umgang mit Journalisten. Denn es hat sich herumgesprochen, dass er etwas Berichtenswertes gesehen hat: „Vier Autos waren das, dunkle Scheiben, Berliner Kennzeichen. Die sind die Straße hochgefahren. Hab‘ ich genau gesehen, als ich am Fenster stand.“

Ulrich Linse hat geahnt, dass etwas Großes passiert. Deswegen ist er sofort ins Auto gesprungen und den vier Autos gefolgt. „Die sind zum alten Schacht gefahren, in die Wiemannsbucht. Da waren eine ganze Menge Leute, die sich alles ganz genau angeguckt haben.“ Jetzt freut er sich und zeigt triumphierend an die Wand über der Eckbank. Dort hängt der Beweis. Ein Foto. Es zeigt Ulrich Linses Bekannte Anja, wie sie neben George Clooney steht und aufgeregt ihre Hand aufs Herz legt. George Clooney war wirklich da.

Am Ende des Dorfes liegt der alte Schacht, in dem die Dreharbeiten stattfinden werden. Viel mehr weiß man nicht, aber vielleicht wird Clooney ein paar Gemälde im alten Bergwerk verstecken. Wann genau das sein wird, weiß hier keiner so genau. Geheimhaltungsstufe: hoch. Hollywood soll hier ungestört arbeiten. Bleibt also genug Raum für Spekulationen.

An der Dorfstraße zum Schacht steht das rote Haus von Klaus Kreykenbohm. Er habe in den Minen gearbeitet und dabei eine Mineraliensammlung zusammengetragen, sagt er. Die kann man sich auch anschauen. Heute steht er auf seiner Veranda und schaut in den Nieselregen. Ob er Clooney schon gesehen hat? „Nein, wer ist das? Ach, dieser Mann aus Amerika, von dem alle immer reden?“ Mit Hollywood muss man ihm nicht kommen. „Ich hab schon viel größere Stars gesehen. Die Lena Valaitis! Jaa, die hat hier getanzt. Im Hotel oben, im Festsaal!“ Lena Valaitis war in den Siebzigern groß als Schlagersängerin, und aus dieser Zeit stammt auch das Aparthotel „Eichelberg“. Das achtstöckige Monstrum erhebt sich über der Stadt und ist ein Relikt der architektonischen Bausünden der 70er-Jahre. Heute werden hier Eigentumswohnungen an Feriengäste vermietet. Für George Clooney wäre hier bestimmt auch noch ein Zimmer frei.

Wo könnte George Clooney in Ruhe einen Kaffee trinken? Erstes Haus am Platz ist das Café „Antique“. Hier gibt es hausgemachte Kuchen und Kaffee in Kännchen. Mit Schwamm an jeder Tülle, damit es nicht tropft und Flecken gibt. Hat Stefanie Berger, die Inhaberin, Clooney schon gesehen? „Nein.“ Jetzt grinst sie breit: „Ich hab aber trotzdem ein Interview dazu gegeben. Ein Fernsehteam hat gefragt, ob ich nicht so tun könnte, als wär er hier.“ Was sie auch getan hat, der Beitrag lief dann im Vorabendprogramm. Im Film tut sie so, als würde sie George Clooney einen Espresso machen und ihn mit großer Geste servieren. Nun läuft der Film in Endlosschleife auf einem Flachbildschirm in der Eingangshalle des Kurzentrums.

Irgendwie ist George Clooney schon längst angekommen in Bad Grund.