Kriminalität

Pistorius vergnügt sich auf Partys

Prozess gegen Sportler wird nicht vor August beginnen

Der mordverdächtige Paralympics-Star Oscar Pistorius vergnügt sich nach Berichten südafrikanischer Medien wieder auf Partys. Der 26-Jährige sei am Sonnabend vergangener Woche auf einer Party in einem Restaurant in Johannesburg gewesen, berichtete die „Sunday Times“. Danach sei der Profisportler noch an einer Bar gesehen worden. Pistorius wird von der Staatsanwaltschaft beschuldigt, am 14. Februar seine Freundin Reeva Steenkamp (29) ermordet zu haben. Der behinderte Profisportler sagt, er habe sie versehentlich erschossen, weil er einen Einbrecher im Haus vermutete. Pistorius lebt seit seiner Entlassung auf Kaution im Haus seines Onkels in Pretoria.

Ein renommierter südafrikanischer Rechtsexperte glaubt jedoch nicht, dass der Prozess wie geplant am 4. Juni beginnen wird. „Der Termin ist unrealistisch“, betonte Stephen Tuson von der Universität Witwatersrand. Die Erfahrung lehre, dass in einem solch komplizierten Fall eine lange Reihe von forensischen Untersuchungen notwendig seien, sagte der oft zitierte Strafrechtler.

Wahrscheinlich sei, dass angesichts des notwendigen Aufwands in diesem Fall für die Untersuchungen des Mordopfers, der Blutspuren, Fingerabdrücke und Schussbahnen am Tatort sowie der Telefon-, Handy- und SMS-Protokolle zumindest eine Seite um Aufschub bitten werde. Dann würde der Richter einen neuen Termin – wohl kaum vor August – festlegen.

Denkbar sei es aber, dass es wegen des spektakulären Falls „politischen Druck“ auf das Gericht gebe, den Prozess möglichst bald zu beginnen. „In anderen Mordfällen dauert es in Südafrika bis zum Prozessbeginn auch mal ein Jahr oder länger“, sagte Tuson. „Möglich ist auch, dass eine Seite mit einer Prozessverschiebung einen strategischen Vorteil sucht.“ Jemand könnte darauf spekulieren, „dass ein Zeuge stirbt oder die Erinnerung der Zeugen mit der Zeit leidet“.

Pistorius selbst hat sich bislang nicht öffentlich zu den Schüssen geäußert. Allerdings berichtete sein Trainer, dass der Sportler nicht in der Lage sei, wieder zu trainieren. Er sei mit seinem Trainer Ampie Louw zum Gelände der Universität Pretoria gefahren. Er habe sich die Karbonprothesen angeschnallt und die Tartanbahn betreten – um wieder umzukehren. „Ich kann nicht“, seien seine Worte gewesen, so der Trainer. Der Paralympics-Star habe an diesem Tag Ende März sehr bedrückt den Sportplatz verlassen.

Pistorius steht jetzt vor den Trümmern seines Lebens. Sponsoren und Werbepartner haben sich zurückgezogen. An eine Fortsetzung seiner Karriere ist erst einmal nicht zu denken. Zwar hat ein Richter die Aufhebung der Kautionsauflagen – wie die des Reiseverbots – angeordnet. Auch hat der internationale Leichtathletikverband bestätigt, dass Pistorius an internationalen Sportkämpfen teilnehmen könne. Aber wie südafrikanische Sportjournalisten berichten, sind die internationalen Veranstalter nicht erpicht auf seine Teilnahme.