Gerichtsverfahren

Strafprozess um billige Brustimplantate beginnt am Mittwoch

In Marseille beginnt am Mittwoch der erste Prozess gegen den Gründer der Firma Poly Implant Prothèse (PIP), Jean-Claude Mas.

Der 73-Jährige wird der schweren Täuschung und des Betrugs bezichtigt. PIP hatte seit 1995 drei Viertel seiner Brustprothesen illegal mit einem Billig-Gel füllen lassen, das eigentlich für die Herstellung von Matratzen und Computern vorgesehen ist. Der Ersatz kostete Mas zehnmal weniger als das eigentlich vorgesehene Gel. Die Firma sparte dadurch laut Staatsanwaltschaft jährlich mehr als eine Million Euro.

Zehntausende Opfer hatten sich nach Bekanntwerden des Skandals gemeldet, sie sorgen sich um ihre Gesundheit. Das Gel kann Entzündungen auslösen. Auch in Deutschland ließen sich etwa 5000 Frauen die Implantate einsetzen und wegen der Gesundheitsgefahr teilweise wieder herausoperieren.

Der Prozess – zwei andere Ermittlungsverfahren wegen fahrlässiger Körperverletzung und fahrlässiger Tötung sowie wegen betrügerischen Bankrotts laufen noch – kündigt sich als Mammutveranstaltung an: 5127 Klägerinnen haben sich bis heute bei der Justiz in Marseille gemeldet, zu 95 Prozent Französinnen, aber auch zwei Frauen aus Deutschland sowie weitere aus Argentinien, Österreich, Belgien, Spanien, Großbritannien und der Schweiz.

Neben Firmengründer Mas müssen sich vier frühere Angestellte der südfranzösischen Firma verantworten. Ihnen drohen bis zu sechs Jahre Haft. Mas weist den Vorwurf der Gesundheitsgefährdung zurück. Sein Argument: Grundsätzlich alle Silikon-Gele würden eine reizauslösende Wirkung aufweisen, nicht nur die von ihm hergestellten. Allerdings gestand er im Polizeiverhör, dass er die Kontrolleure des deutschen TÜV Rheinland, die seine Produkte europaweit zertifizierten, systematisch hinters Licht geführt hatte. Vor deren – angekündigten – Besuchen habe er jedes Mal angeordnet, „alle Unterlagen zu verstecken, die einen Bezug zu dem nicht zugelassenen PIP-Gel hatten“. Sogar ganze Container mit dem hausgemachten Produkt ließ er verschwinden.