Prozess

Anwälte wollen Freispruch für falschen Rockefeller

Deutscher Hochstapler soll Mann ermordet haben

Der Mann, der als vermeintlicher Spross der Rockefeller-Familie seinem Umfeld jahrelang Größe vorgaukelte, macht sich im Gerichtssaal von Los Angeles ganz klein. Gekrümmt sitzt Christian Karl Gerhartsreiter zwischen seinen beiden Verteidigern, als der Staatsanwalt im Schlussplädoyer ausführt, wie der gebürtige Bayer vor knapp 30 Jahren den Sohn seiner Vermieterin ermordet und die Spuren verwischt haben soll.

Mit einem Motiv kann die Anklage aber ebenso wenig aufwarten wie mit Augenzeugen oder DNA-Spuren. Ob die Indizien für eine Verurteilung ausreichen, ist unklar. Staatsanwalt Habib Balian versucht leidenschaftlich, die zwölf Geschworenen von seiner Theorie zu dem spektakulären Mordfall zu überzeugen.

„Das ist kein Film. Das ist keine TV-Show“, sagt Balian. „Bei diesem Fall geht es um zwei Menschen, die wirklich gelebt haben.“ Gemeint sind John und Linda Sohus, mit denen Gerhartsreiter einst in einem wohlhabenden Vorort von Los Angeles ein Grundstück teilte. Im Februar 1985 verschwand das junge Ehepaar plötzlich. Neun Jahre später entdeckte der spätere Besitzer des Grundstücks Johns zerstückelte Leiche bei Bauarbeiten im Garten, Linda ist bis heute verschollen.

Gerhartsreiters Verteidiger versuchen erst gar nicht, die vielen falschen Identitäten ihres Mandanten zu leugnen. Ende der 70er-Jahre kam der Deutsche als Austauschschüler in die USA, erfand sich mehrfach neu. Nach dem Pseudonym Christopher Chichester trat der Hochstapler später auch unter den Namen Christopher Crowe und Clark Rockefeller auf. Die Verteidigung forderte in ihrem Schlussplädoyer einen Freispruch. Die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft gegen Christian Karl Gerhartsreiter beruhten zu einem großen Teil auf „Spekulationen“, sagte Anwalt Jeffrey Denner. Die Geschworenen sollen am Dienstag ihre Beratungen beginnen.