Verbrechen

Amokläufer galt als guter Nachbar

13 Menschen in Serbien erschossen – darunter auch ein Kleinkind

Ein Mann hat in Serbien in den frühen Morgenstunden 13 Menschen getötet. Unter den Toten befindet sich auch ein erst zwei Jahre altes Kleinkind, berichten serbische Medien unter Berufung auf die Behörden.

Der Mann habe mit seiner Waffe, die er legal besessen habe, in dem Dorf Velika Ivanca rund 50 Kilometer südlich von Belgrad sechs Männer und sechs Frauen sowie einen zweijährigen Jungen erschossen. Zeugen alarmierten den Notruf gegen 5.40 Uhr. Rettungsärzte waren mit einem Großeinsatz am Ort, die Polizei riegelte die Tatorte in dem kleinen Dorf ab.

Bei dem Schützen handelt es sich um den 60-jährigen Ljubomir B. Er soll versucht haben, auch seine Ehefrau und anschließend sich selbst zu töten. „Zwei Menschen kämpfen noch um ihr Leben, darunter sehr wahrscheinlich auch derjenige, der für diese monströse Bluttat verantwortlich ist“, sagte der Polizeidirektor Milorad Veljovic. Bei der Tatwaffe handele es sich um eine Pistole vom Typ CZ 88.

Die serbische Zeitung „Blic“ berichtet, der Mann habe vor den Augen eines Polizisten, der als Erster am Tatort gewesen sei, die Waffe auf sich selbst gerichtet. Ein Krankenhausarzt bestätigte die schweren Verletzungen des Mannes. Auch der Sohn des Paares befindet sich unter den Toten sowie die Schwiegermutter des Schützen und seine Schwägerin.

„Er war so ein ruhiger Typ“

Der Täter soll insgesamt in vier Nachbarhäuser eingedrungen sein, in denen Verwandte und Freunde wohnten, und wahllos das Feuer eröffnet haben. Einige der Opfer hätten noch geschlafen, sagten Zeugen.

„Ein ruhiger Typ“

Nachbarn zeigten sich schockiert von dem Massaker, dessen Hintergründe noch völlig unklar sind. „Wir haben von dem Massaker gehört. Er war ein so ruhiger Typ. Wir wissen nicht, was diese Tragödie ausgelöst hat, aber sein Sohn soll mit einem Schuss in den Kopf getötet worden sein“, sagte ein überlebender Nachbarn einem Reporter von „Blic“.

Vor einem Jahr habe der Mann aber seine Arbeit verloren. Außerdem habe er 1991 im Bürgerkrieg im benachbarten Kroatien gekämpft. Unklar blieb, ob die Bluttat eventuell mit diesen Kriegserlebnissen zusammenhängt. Ein Psychologe des Belgrader Militärhospitals schloss nicht aus, dass ein Kriegstrauma eventuell Auslöser der Tat gewesen sein könnte. „Viele unserer Kriegsteilnehmer erhalten nicht die passende Fürsorge, sodass man solche Dinge erwarten kann“, sagte Vlajko Panovic der Nachrichtenagentur Beta. „Wir haben nach 20 Jahren Fälle, dass ein Mann beim Öffnen einer Sektflasche das mit Schüssen zusammenbringt, was eine Kette von Assoziationen in Gang setzt.“

Nachbarin Stanica Kostadinovic sagte: „Nichts hat darauf hingedeutet, dass so etwas passieren könnte. Nur er allein kennt sein Motiv. Er war ein guter Nachbar, wie sein Sohn. Nett, fleißig, immer hilfsbereit.“ Erst am Vortag der Bluttat habe sie mit ihm gesprochen. „Ich habe ihn gefragt, wie es ihm gehe, und er sagte, es gehe ihm gut.“