Prozess

Fall Peggy soll nach neun Jahren neu aufgerollt werden

Der Fall Peggy muss möglicherweise neu aufgerollt werden.

Zwölf Jahre nach dem Verschwinden der Schülerin aus dem oberfränkischen Lichtenberg reichte der Rechtsanwalt Michael Euler am Donnerstag beim Landgericht Bayreuth einen Antrag auf Wiederaufnahme des Verfahrens ein. 2004 war der geistig behinderte Gastwirtssohn Ulvi K. als Mörder des neunjährigen Mädchens verurteilt worden; bis heute fehlt von der Leiche jedoch jede Spur.

Ein damaliger Belastungszeuge habe seine Aussage inzwischen wieder zurückgenommen, sagte Euler. Außerdem gebe es Zeugen, die Ulvi K. ein Alibi für die Tatzeit geben können. Der Jurist erklärte weiter, der Tatverdächtige sei bei den Vernehmungen unter Druck gesetzt worden. Die Erfolgschancen für den Antrag schätzte er hoch ein: „Wir haben hinreichend bewiesen, dass Ulvi K. nicht der Täter ist.“

Das deutsche Gesetz legt hohe Hürden für die Wiederaufnahme eines abgeschlossenen Verfahrens fest, so müssen beispielsweise neue Beweise vorliegen. Die Justiz hielt sich am Donnerstag bedeckt. Ein Sprecher des Landgerichts teilte mit, man werde nun eine Stellungnahme der Staatsanwaltschaft einholen. Die Prüfung des Antrags werde „voraussichtlich erhebliche Zeit in Anspruch nehmen“.

Gemeinsam mit Gudrun Rödel, der Betreuerin des Verurteilten, reichte Euler den Antrag ein: knapp 2000 Seiten in sechs Aktenordnern. „Darin steckt die Wahrheit“, erklärte Rödel. Sie hat eine Bürgerinitiative ins Leben gerufen, die sich für die Rehabilitierung des Mannes einsetzt. Ziel des Wiederaufnahmeantrags sei es nicht nur, die Unschuld von Ulvi K. zu beweisen: „Gleichzeitig liegt uns auch die Frage am Herzen: Was ist denn wirklich mit Peggy passiert?“

Nachdem der Belastungszeuge seine Aussage widerrufen hatte, begann die Staatsanwaltschaft mit eigenen Ermittlungen. „Das hat aber nicht dazu geführt, dass eine Wiederaufnahme seitens der Staatsanwaltschaft in Betracht gekommen wäre“, betonte Oberstaatsanwalt Ernst Schmalz.